Air-Berlin-Gläubiger wollen gegen Etihad klagen

24.01.2018 - 08:00 0 Kommentare

Gläubiger der insolventen Air Berlin streben wohl eine Klage gegen Etihad an. Der Hauptaktionär vom Golf drehte im August der Airline den Geldhahn zu - obwohl er seine Unterstützung zugesichert hatte.

Flugbegleiterinnen von Etihad und Air Berlin - © © dpa - Michael Kappeler

Flugbegleiterinnen von Etihad und Air Berlin © dpa /Michael Kappeler

Wird Etihad Airways für die Air-Berlin-Insolvenz juristisch zur Rechenschaft gezogen? Laut eines Berichts des "Manager Magazins" machen sich einige "namhafte" Gläubigervertreter dafür stark. Sie wollen Insolvenzverwalter Lucas Flöther beauftragen, eine Klage gegen den Golf-Carrier einzureichen, der mit rund 29 Prozent größter Anteilseigner bei Air Berlin war.

Gläubigertreffen

Drei Versammlungen an zwei Tagen: Am Mittwoch und Donnerstag finden die Gläubigerversammlungen der Air Berlin Luftverkehrs KG (Mittwoch) und der Air Berlin Technik sowie der Muttergesellschaft Air Berlin PLC (beide Donnerstag) in Berlin statt.

Ein entsprechender Antrag soll auf der Gläubigerversammlung der Air Berlin PLC am Donnerstag (25. Januar) zur Abstimmung kommen. Die Tagesordnung wurde vom zuständigen Amtsgericht Berlin-Charlottenburg nach airliners.de-Informationen entsprechend geändert.

Formelle Zusage von James Hogan

Die Gläubiger wollen von Etihad Airways Schadensersatz verlangen, weil die Airline im August 2017 die Insolvenz von Air Berlin ausgelöst habe. Etihad stellte damals die Zahlungen an die deutsche Beteiligung ein, obwohl zuvor eine mittelfristige Unterstützung zugesagt worden war.

In einem "Letter of Support" vom 28. April versprach der damalige Etihad-Chef James Hogan noch für mindestens 18 Monate die "notwendige Unterstützung", damit Air Berlin "seinen finanziellen Verpflichtungen nachkommen könne". Das Schreiben liegt airliners.de vor. Allerdings wies Air Berlin in ihrer Bilanz daraufhin, dass diese Patronatserklärung rechtlich kaum durchzusetzen sei.

Der "Letter of Intent" von James Hogan.Foto: airliners.de

Wegen der nicht eingehaltenen Zusage wollen die Gläubiger Etihad nun für die finanziellen Folgen der Air-Berlin-Insolvenz haftbar machen. Laut "Manager Magazin" könnte es um Forderungen von bis zu zwei Milliarden Euro gehen.

Welche Erfolgsaussichten eine Klage hat, ist allerdings unklar. Insolvenzverwalter Flöther prüfe derzeit noch die rechtlichen Möglichkeiten eines Verfahrens gegen Etihad, wie ein Sprecher gegenüber airliners.de erklärt. Laut Presseberichten hatte der Insolvenzverwalter bereits im Dezember Rechtsgutachten zu dem "Letter of Suport " eingeholt. Doch sie brachten offenbar noch keine endgültige Klarheit.

Ein Prozess ist finanziell riskant

Die Kosten eines Verfahrens gegen die Airline-Gruppe aus Abu Dhabi dürften beträchtlich sein und würde die Insolvenzmasse von Air Berlin weiter schmälern. Möglich wäre aber auch, einen Prozessfinanzierer zu beauftragen, der gegen eine Erfolgsbeteiligung das finanzielle Risiko übernimmt.

Die Anleihegläubiger von Air Berlin hatten bereits im November einen gemeinsamen Vertreter gewählt und seitdem Ansprüche gegen verschiedene Beteiligte der Air-Berlin-Insolvenz geprüft. Die Insolvenzmasse von Air Berlin wird nach derzeitigem Stand nicht einmal ausreichen, um den Überbrückungskredit in Höhe von 150 Millionen Euro zurückzuzahlen. Insgesamt belaufen sich die Forderungen gegenüber Air Berlin PLC auf über zwei Milliarden Euro.

© Air Berlin, Andreas Wiese Lesen Sie auch: Wie Flugzeugfonds mit dem Air-Berlin-Aus umgehen

Von: pra
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