Air Berlin: Donnerstag wieder auf Flughöhe

13.09.2017 - 17:56 0 Kommentare

Laut Air Berlin haben sich etliche Piloten wieder gesund gemeldet, sodass der Flugbetrieb sich am Donnerstag wieder normalisieren soll. Noch fallen zahlreiche Flüge aus - und das nicht nur bei dem insolventen Carrier selbst.

Triebwerk einer Air-Berlin-Maschine: Wann läuft die Operation wieder reibungslos? - © © Air Berlin -

Triebwerk einer Air-Berlin-Maschine: Wann läuft die Operation wieder reibungslos? © Air Berlin

Nach zahlreichen Flugausfällen rechnet die Air Berlin für diesen Donnerstag mit einem normalen Flugbetrieb. Die Zahl der Krankmeldungen flaue ab, Gesundmeldungen von Piloten träfen ein, hieß es am Mittwoch in einem Offenen Brief des Vorstands an die Cockpit-Crews.

Die Piloten kommen zurück!

Sprecher von Air Berlin

Mindestens 32 Air-Berlin-Flüge mussten am Mittwoch gestrichen werden. Zudem fielen 35 Verbindungen bei der Lufthansa-Tochter Eurowings aus. Seit diesem Frühjahr hebt Air Berlin im Wet-Lease für den Kranich-Billigflieger ab. Am Dienstag hatten sich 200 Piloten bei Air Berlin kurzfristig krank gemeldet - hunderte Flüge fielen aus.

Performance-Probleme

Im gesamten Strekennetz musste Air Berlin am Dienstag zahlreiche Flüge streichen. Allein an den beiden Hubs des Carriers, Berlin-Tegel und Düsseldorf, fielen dort 123 der insgesamt 447 geplanten Flüge aus. An allen vollkoordinierten deutschen Airports insgesamt sind über 200 von knapp 600 Flügen annulliert worden. Dies berechnete airliners.de aufgrund von Daten, die Air Berlin auf ihrer Homepage veröffentlicht.

Performance an vollkoordinierten Flughäfen
gestartete Flüge gestrichene Flüge
Berlin-
Tegel
170 94
Düsseldorf 154 29
Frankfurt 6 10
München 57 36
Stuttgart 30 8

Die Grafik zeigt Anzahl der gestrichenen beziehungsweise gestarteten Flüge von Air Berlin an den vollkoordinierten deutschen Airports am 12. September 2017. Der Flughafen Berlin-Schönefeld zählt zwar ebenfalls zu den vollkoordinierten Airports in Deutschland, Air Berlin ist dort jedoch nicht aktiv. Quelle: Air Berlin

Der Druck auf die krankgemeldeten Piloten war zuvor angestiegen: Frank Kebekus, der Generalbevollmächtigte des insolventen Carriers, warnte eindringlich: "Wenn sich die Situation nicht kurzfristig ändert, werden wir den Betrieb und damit jegliche Sanierungsbemühungen einstellen müssen." Damit nannte der Jurist laut "Berliner Zeitung" erstmals ein Grounding als mögliche Konsequenz der Lage. Für die Verhandlungen mit Interessenten über eine Übernahme von Teilen des Unternehmens seien die Ausfälle "pures Gift", so Kebekus.

Auch aus der Politik kamen mahnende Worte in Richtung der Piloten: "Ich wünsche mir, dass alle Beteiligten an den Gesprächen um die Zukunft von Air Berlin die Nerven behalten und versuchen, das Beste für die Beschäftigten zu erreichen", sagte Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD). Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) forderte, "den Flugbetrieb jetzt bestmöglich aufrechtzuerhalten und nicht die Kunden in Mitleidenschaft zu ziehen".

"Existenzbedrohende Situation"

Die Kosten der Ausfälle am Dienstag belaufen sich für die Airline nach internen Berechnungen auf rund fünf Millionen Euro. Das Management sprach von einer "existenzbedrohenden Situation" für die Airline und kritisierte, ein Teil der Belegschaft "spiele mit dem Feuer".

"Wir laufen massiv Gefahr, den Investorenprozess, den wir mit dem Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung begonnen haben, nicht mehr zu einem möglichst positiven Ende zu führen." Um Investoren nicht zu verschrecken und möglichst viele Arbeitsplätze zu retten, sei es "entscheidend, den Flugbetrieb kurzfristig zu stabilisieren".

Die erneuten Turbulenzen kommen für Air Berlin reichlich ungelegen, schließlich drängt die Zeit für einen Verkauf. Massenhafte Ausfälle erwecken bei Interessenten nicht gerade Vertrauen. Zudem könnten die Krankmeldungen womöglich hohe Schadenersatzforderung nach sich ziehen.

Leasinggeber zieht Maschinen ab

Nach der Einstellung zahlreicher Langstrecken in Berlin und Düsseldorf befürchten die Piloten nach Angaben der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC), dass der Langstreckenbetrieb der Air Berlin komplett eingestellt werden könnte. Hintergrund könnte der VC zufolge sein, dass Air Berlin die gut bezahlten Langstreckenpiloten, die vorwiegend noch aus "LTU"-Zeiten stammen, loswerden wolle, bevor es zu einer Übergabe von Betriebsteilen komme.

© dpa, Britta Pedersen Lesen Sie auch: Air Berlin streicht Düsseldorf-Langstrecken drastisch

Zuvor war bekannt geworden, dass die Leasinggesellschaft Aer Cap ihre zehn an Air Berlin vermieteten Langstreckenflugzeuge zurückzieht. Die drastische Reduzierung des Langstreckenangebots sei eine Folge der somit auf lediglich sieben Airbus A330 geschrumpften Air-Berlin-Interkontinentalflotte.

Gewerkschaften appellieren an Mitarbeiter

Bereits am Dienstag teilte die Pilotengewerkschaft allerdings mit, man habe "zu keinem Zeitpunkt" zu Krankmeldungen aufgerufen. Ein geregelter Übergang sei der einzige Weg, eine "möglichst große Zahl von Arbeitsplätzen" bei Air Berlin zu erhalten. Man habe die Piloten darauf hingewiesen, dass sie ihren vertraglichen Pflichten nachkommen müssen, "sofern kein akuter Grund für eine Krankmeldung besteht."

© dpa, Armin Weigel Lesen Sie auch: Kollektive Krankmeldungen sind vom Arbeitgeber kaum nachzuweisen

Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi hält die Krankmeldung vieler Piloten bei Air Berlin dagegen für "keinesfalls verwunderlich". Es sei nicht auszuschließen, dass es auch bei anderen Beschäftigten dazu kommen könne, erklärte Verdi-Bundesvorstandsmitglied Christine Behle am Dienstag. "Angst und Wut der Air Berliner eskalieren, weil es hier um Existenzen ganzer Familien geht."

Die Gewerkschafterin kritisierte, dass es in allen Gesprächen rund um die insolvente Fluggesellschaft um wirtschaftliche Interessen gehe, aber nicht um die Arbeitsplätze von mehr als 8000 Beschäftigten. Sie rief die Mitarbeiter dennoch auf, den Flugbetrieb weiter aufrecht zu erhalten, um die Arbeitsplätze nicht zu gefährden.

Air Berlin hatte Mitte August Insolvenz angemeldet, nachdem ihre arabische Großaktionärin Etihad die Zahlungen an die Berliner eingestellt hatte. Bis Freitag läuft die Frist für Kaufangebote von Interessenten. Am 21. September wollen die Gläubiger über den Verkauf entscheiden.

© airliners.de, David Haße Lesen Sie auch: Das sind die Player im Air-Berlin-Poker Überblick

Von: dh, cs mit dpa, AFP
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