Etihad will Air Berlin zur "starken Alternative zu Lufthansa" ausbauen

15.01.2016 - 11:54 0 Kommentare

Nach dem grünen Licht für einen Großteil der bislang strittigen Etihad-Airways-Codeshares auf Air-Berlin-Flügen will die arabische Airline ihr Deutschland-Geschäft stärker vorantreiben. Es gehe um eine wettbewerbsfähige Alternative zur Lufthansa.

Flugzeuge der Air Berlin und der Lufthansa.

Flugzeuge der Air Berlin und der Lufthansa.
© AirTeamImages.com - TT

Flugzeuge von Air Berlin und Etihad Airways am Flughafen Düsseldorf.

Flugzeuge von Air Berlin und Etihad Airways am Flughafen Düsseldorf.
© AirTeamImages.com - TT

Etihad Airways kann einen großen Teil der umstrittenen Codeshare-Flüge mit Air Berlin im aktuellen Winterflugplan fortsetzen. Etihad-Airways-CEO James Hogan nannte die Entscheidung des niedersächsischen Oberverwaltungsgerichts in Lüneburg in einer ersten Stellungnahme einen "Sieg für Verbraucher und für den Wettbewerb in Deutschland".

Etihad werde nun die "Anstrengungen verdoppeln, um eine starke und wettbewerbsfähige Alternative zur dominierenden deutschen Fluggesellschaft Lufthansa" zu bieten. Die Auslegung des Gerichts bedeute, dass die Codeshare-Verbindungen auch über den Winterflugplan hinaus zu genehmigen seien.

Ein Sprecher des Bundesverkehrsministerium sagte, man werde die Verbindungen im aktuellen Winterflugplan entsprechend des Gerichtsbeschlusses ausgestalten. Gleichzeitig prüfe man die Begründung des Gerichtsbeschlusses. Anschließen wolle das Ministerium über das weitere Vorgehen entscheiden.

Internationale Codeshare-Flüge genehmigt

Das Gericht hatte am Donnerstagabend mitgeteilt, das Luftfahrt-Bundesamt müsse die Genehmigung für 26 Strecken mit Auslandszielen für die restliche Dauer des Winterflugplanes bis zum 26. März 2016 erteilen. Für fünf innerdeutsche Strecken wurde der Antrag von Etihad hingegen abgelehnt. Das Luftfahrt Bundesamt hatte die umstrittenen Codeshare-Flüge mit Air Berlin zuletzt nur noch bis zum Freitag genehmigt.

Das Gericht begründete seine Entscheidung mit den Regelungen im Luftverkehrsabkommen zwischen der Bundesrepublik und den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE). Es gebe hinreichend gewichtige Gründe, dass Etihad Auslandsflüge von und zu den Flughäfen Berlin und Stuttgart sowie Nürnberg über Codesharings durchführen dürfe. Gleiches gelte für Flüge an den Flughäfen Frankfurt, München, Düsseldorf sowie Hamburg. Nach Ansicht der Richter erlaubt das Abkommen allerdings keine innerdeutschen Codeshare-Flüge zwischen den genannten Flughäfen und weiteren Flughäfen in Deutschland.

Das steht im Luftverkehrsabkommen

Nach einem Anhang zum Fluglinienplan, dem sogenannten "Agreed Minutes and Revised Route Schedule", sind für Airlines aus den VAE in Deutschland Flüge zu drei Hauptanflugpunkten erlaubt. Das sind derzeit Frankfurt am Main, München und Düsseldorf. Hinzu kommt Hamburg als provisorisch gewährter vierter Hauptanflugpunkt. Hier können die Airlines selbst sowie per Codeshares Flüge aus den VAE anbieten. Zusätzlichen wurden drei Flughäfen für reine Codeshare-Dienste definiert. Derzeit sind das Berlin, Stuttgart und Nürnberg. Das Protokoll dazu wurde zuletzt am 15. Juni 2000 aktualisiert.

Strittig war zuletzt, in wie weit auch innerdeutsche Flüge in den gewährten Codesharing-Rechten enthalten sind. Das sahen die Gerichte offenbar nicht so, obwohl Emirates zwischen 2000 und 2002 zusammen mit der Deutschen BA Codesharings zwischen Berlin, Stuttgart und Nürnberg nach München im Programm hatte und auch die innerdeutschen Air-Berlin/Etihad-Codesharings seit 2012 stets genehmigt wurden.

Während das Verwaltungsgericht in Braunschweig aus der Gemengelage in der vergangenen Woche noch ein generelles Verbot für Codeshares geschlussfolgert hatte, kann Etihad ihre Codes nun zumindest auf den wichtigen Abu-Dhabi-Zubringern der Air Berlin von Berlin und Stuttgart weiterhin anbieten. Der Beschluss des Oberverwaltungsgerichts ist unanfechtbar.

Wichtig sind die Flüge nach Abu Dhabi

Air-Berlin-Chef Stefan Pichler sagte, das Gericht habe die Basis dafür geschaffen, wieder optimistisch in die Zukunft schauen zu können. Schon im November hatte sich der Air-Berlin-Chef mit einem Appell an die Bundesregierung gewandt. Der Versuch der Regierung, die Codesharings zu untersagen, ziele zwar auf die VAE, treffe aber die 8000 Mitarbeiter der Air Berlin. Deutschlands zweitgrößte Airline fliegt seit Jahren Verluste ein und wird von Etihad finanziell über Wasser gehalten. Die arabische Airline besitzt knapp ein Drittel der Air-Berlin-Anteile.

Etihad hatte für diesen Winter insgesamt beim Luftfahrt-Bundesamt 81 Gemeinschaftsflüge mit Air Berlin beantragt. Ein Großteil davon war ohnehin durch das Luftverkehrsabkommen zwischen Deutschland und den Vereinigten Arabischen Emiraten abgedeckt und vom Luftfahrt-Bundesamt genehmigt. Was fehlte, waren die für Air Berlin und Etihad Airways wichtigen Gemeinschaftsflüge zwischen Berlin und Stuttgart zum Heimatdrehkruz der Etihad in Abu Dhabi. Hier verteilt Etihad die Passagiere in die ganze Welt.

Die gemeinsamen Flugnummern auf diesen Umsteigeverbindungen gelten daher als entscheidender Faktor, warum Etihad in die zweitgrößte deutsche Airline investiert hat. Seit 2012 haben die beiden Airlines nach eigenen Angaben mehr als zwei Millionen Fluggäste über Codeshares transportiert. Dabei soll Etihad Airways rund 1,36 Millionen Passagiere für ihre deutsche Beteiligungsgesellschaft Air Berlin gebracht haben, während diese 654.000 Reisende auf Etihad-Flüge buchte. Den Erlös für Air Berlin bezifferte Etihad dabei mit insgesamt 252 Millionen Euro.

Gerade die preislich oft attraktiven Umsteigeverbindungen am Golf sind dagegen der Grund, warum europäische Airlines wie etwa Lufthansa gegen Golf-Carrier wie Etihad, Emirates oder auch Qatar politisch aufbegehren.

Von: dh, dpa
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