Air Berlin will schnelle Entscheidung über Transfergesellschaft

23.10.2017 - 14:24 0 Kommentare

Tausenden Mitarbeitern der insolventen Air Berlin droht die Kündigung - das Unternehmen setzt deshalb vor allem auf eine Transfergesellschaft. Davon könnten bis zu 4000 Beschäftigte profitieren. Jetzt wird verhandelt.

"Wir sind airberlin" steht am 25.09.2017 in Berlin auf dem Plakat, das Mitarbeiter der insolventen Fluggesellschaft Air Berlin halten. © dpa /Paul Zinken

Vor Verhandlungen mehrerer Bundesländer über eine Auffanggesellschaft für Tausende Mitarbeiter der insolventen Air Berlin mahnt die Fluggesellschaft zur Eile. "Wir brauchen Anfang der Woche eine Entscheidung", sagte der Generalbevollmächtigte Frank Kebekus der "Rheinischen Post". Seinen Schätzungen zufolge könnten in der Transfergesellschaft bis zu 4000 Mitarbeiter Platz finden. Kebekus forderte Unterstützung von der Politik.

Für diesen Montag ist ein Treffen von Vertretern des Bundes sowie der Air-Berlin-Länder Berlin, Nordrhein-Westfalen und Bayern in der Hauptstadt geplant. Eine Transfergesellschaft soll von Arbeitslosigkeit bedrohten Beschäftigten den Übergang in einen neuen Job ermöglichen. Dabei geht es nicht um deren Weiterbeschäftigung, sondern vor allem um deren Weitervermittlung und Qualifizierung.

"Ich betrachte mit Sorge, dass die Finanzierung einer Transfergesellschaft, die Berufs- und Qualifikationsperspektiven aufzeigen könnte, nicht gesichert ist", betonte Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD). Von Air Berlin und auch von den Investoren wie Lufthansa müsse ein signifikanter Beitrag kommen. "Zu einer Übernahme eines Unternehmens oder seiner Teile gehört auch die Übernahme der Verantwortung für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter", sagte Müller. Zudem erwarteten die Länder, dass auch der Bund Verantwortung übernehme.

"Air Berlin selber kann die Transfergesellschaft nicht alleine finanzieren, also brauchen wir Hilfe von den betroffenen Ländern und vielleicht auch vom Bund. Es geht darum, dass die öffentliche Hand den Beitrag bezahlt, den wir nicht leisten können", sagte Kebekus.

Zum freiwilligen Eintritt in die Transfergesellschaft werden die Verträge der Betroffenen aufgehoben. Sie erhalten für höchstens zwölf Monate befristete Anstellungen bei der Gesellschaft. Während dieser Zeit zahlt die Agentur für Arbeit ein Transferkurzarbeitergeld.

Gewerkschaft sorgt sich um Beschäftigte

Die Gewerkschaft Verdi pocht auf eine Auffanggesellschaft für die Mitarbeiter von Air Berlin. "Wir haben große Sorge um die Beschäftigten", sagte eine Verdi-Sprecherin am Montag anlässlich eines Treffens mehrerer Bundesländer. Die Mitarbeiter müssten in gute, neue Arbeitsplätze vermittelt werden. Eine Transfergesellschaft soll Beschäftigten, die von Arbeitslosigkeit bedroht sind, den Übergang in neue Jobs ermöglichen.

Ob eine solche Gesellschaft kommt, ist unklar. Die Air-Berlin-Länder Berlin, Bayern und Nordrhein-Westfalen wollten am Montag mit dem Bund über eine mögliche Unterstützung sprechen. Das Treffen sei für den Nachmittag geplant, bestätigte Berlins Senatssprecherin Claudia Sünder auf Anfrage. Es handle sich um ein informelles Treffen auf Arbeitsebene. Ob Ergebnisse zu erwarten sind, war zunächst unklar.

© dpa, Paul Zinken Lesen Sie auch: Transfergesellschaft für Air-Berlin-Mitarbeiter rückt in greifbare Nähe

Wie die "Bild"-Zeitung und die "B.Z." berichteten, will Air Berlin sich mit 10 Millionen Euro an der Transfergesellschaft beteiligen. Insgesamt schätze das Unternehmen den Bedarf auf bis zu 50 Millionen Euro, schrieben die Blätter unter Berufung auf einen Brief von Air Berlin an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU).

Demnach sollen sich die drei Länder entsprechend der dort beschäftigten Mitarbeiter an den Kosten beteiligen, solange es keine anderen Investoren gebe. Dem Bericht zufolge sind 47 Prozent der Air-Berlin-Mitarbeiter in Berlin beschäftigt, 41 Prozent in Nordrhein-Westfalen und 12 Prozent in Bayern.

Die Lufthansa lehnt eine Beteiligung an der Auffanggesellschaft bisher ab. Der deutsche Marktführer übernimmt die Air-Berlin-Teile Niki und Luftfahrtgesellschaft Walter samt 1700 Mitarbeitern.

Verhandlungen um Air-Berlin-Teile laufen weiter

Die Verhandlungen zwischen Air Berlin und der britischen Billiglinie Easyjet über den Kauf weiterer Anteile liefen übers Wochenende weiter. Air-Berlin-Chef Thomas Winkelmann hatte aber betont, dass die Airline nun auch parallel Gespräche mit weiteren Bietern führen könnte, etwa dem Ferienflieger Condor. An diesem Dienstag tagt der Gläubigerausschuss.

Falls eine Einigung auf eine Transfergesellschaft misslinge, müsse das Unternehmen Ende Oktober oder Anfang November Mitarbeiter entlassen, sagte Kebekus. "Wir würden dann circa 4000 Kündigungen aussprechen." Kebekus räumte ein, dass einige Piloten im Falle eines Wechsels von Air Berlin zu Eurowings deutliche Gehaltseinbußen hinnehmen müssten. "Ja, für manche Kapitäne aus früheren LTU-Zeiten sind die Einschnitte schon groß - aber bestimmte Gehälter sind eben nicht mehr marktgerecht", sagte er und betonte: "Aber insgesamt sind das faire Angebote."

© dpa, Paul Zinken Lesen Sie auch: Verhandlungen um Air-Berlin-Zerschlagung ziehen sich weiter

Die scharfe Kritik an der Millionen-Absicherung für Air-Berlin-Chef Thomas Winkelmann wies Kebekus deutlich zurück. "Diese Diskussion ist an Heuchelei nicht zu überbieten und in höchstem Maße unseriös", sagte der Generalbevollmächtigte. Die 4,5 Millionen Euro würden die Insolvenzmasse nicht belasten und weder Kunden noch Mitarbeitern entgehen, weil sie "alleine vom früheren Hauptgesellschafter Etihad über eine Bankbürgschaft finanziert" wurden.

Von: dh mit dpa
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