Air Berlin wird noch an der Börse gehandelt

22.11.2017 - 11:38 0 Kommentare

Die insolvente Air Berlin will zwar das Börsenparkett verlassen, ein Delisting der Papiere ist aber noch nicht beantragt - der Handel könnte auch dann noch länger weitergehen. Indes prüft die Airline offenbar Ansprüche gegen Etihad.

Foto vom Börsengang der Air Berlin aus dem Jahr 2006 - © © dpa - Arne Dedert

Foto vom Börsengang der Air Berlin aus dem Jahr 2006 © dpa /Arne Dedert

Die Papiere der Air Berlin werden auch weiterhin unter anderem an der Frankfurter Wertpapierbörse (FWB) gehandelt. Das Unternehmen habe zwar den Ausstieg aus dem Aktienhandel entschieden, jedoch noch nicht das sogenannte Delisting beantragt. Dies teilt der insolvente Carrier auf Anfrage von airliners.de mit. Einen genauen Termin gebe es zudem noch nicht.

Nötig wird der Antrag, da ein Unternehmen infolge der Insolvenz nicht automatisch vom Aktienmarkt verschwindet. Ein Delisting muss formell beantragt werden, und die Genehmigung kann durchaus einige Zeit in Anspruch nehmen.

Anleihegläubigerversammlung

In Berlin fand am Mittwoch eine Anleihegläubigerversammlung der Air Berlin statt. Generalbevollmächtigter Frank Kebekus soll eine Quotenzahlung von "einem Prozent oder auch darunter" angekündigt haben, berichtet die "Wirtschaftswoche". Statt der vollen Summen bekommen Gläubiger im Insolvenzverfahren ihre Ansprüche anhand einer Quote beglichen.

Dieser Wert könne laut Kebekus aber noch steigen, da aktuell Ansprüche gegen Etihad geprüft werden. Gleichzeitig habe man auch die Wirtschaftsberater von KPMG im Blick, die der vergangenen Bilanz von Air Berlin aufgrund eines Letter of Support der Araber das Going Concern gaben.

Foto: © dpa

So hatte der Insolvenzverwalter der Baumarktkette Praktiker erst vier Jahre nach der Insolvenz einen Antrag auf Delisting gestellt. Erst im Mai dieses Jahres verschwand die Aktie von der Börse.

Börse kann Papiere auch verbannen

Allerdings kann das Delisting auch zwangsweise geschehen, wenn beispielsweise der Emittent den Zulassungsverpflichtungen trotz mehrfacher Mahnungen nicht nachkommt. Laut Finanzexperten kostet ein Listing im Prime Standard der Frankfurter Wertpapierbörse jährlich rund 13.000 Euro.

Der Wert der Papiere im Xetra-Handel sank von rund 78 Cent vor Insolvenzanmeldung auf zuletzt etwa drei Cent. Beim Börsengang im Mai 2006 lag der Kurs bei über 20 Euro. Aktuell beträgt die Marktkapitalisierung etwas mehr als vier Millionen Euro.

Experten rechnen mit Aus der Operations zum Jahresende

Air Berlin hatte Mitte August Insolvenz beantragt; nach Beendigung des selbstvermarkteten Flugbetriebs Ende Oktober, hat das Amtsgericht Berlin-Charlottenburg am 1. November das Insolvenzverfahren eröffnet.

© AirTeamImages.com, Alun Morris Jones Lesen Sie auch: Eurowings muss um Air-Berlin-Wet-Leasing bangen

Air Berlin hebt aktuell noch mit 13 Maschinen für Eurowings und mit zweien für Austrian im Wet-Lease ab. Beide Mietverträge sollen bis Ende des Jahres auf Null zurückgefahren werden, sodass dann laut Branchenkennern der Flugbetrieb der Air Berlin de facto eingestellt werde.

Von: cs
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