Air-Berlin-Aufteilung wirkt sich auf Flughäfen aus

Exklusiv 11.10.2016 - 10:58 0 Kommentare

Die Konsolidierung der Airlines nach der Air-Berlin-Aufteilung wird auch Auswirkungen am Boden haben. Dabei sind Chancen und Risiken für die Flughafenstandorte durchaus unterschiedlich verteilt.

Flugzeuge von Air Berlin und Eurowings auf dem Flughafen Düsseldorf. - © © AirTeamImages.com - Rudi Boigelot/Alun Morris Jones, Kollage: a.de

Flugzeuge von Air Berlin und Eurowings auf dem Flughafen Düsseldorf. © AirTeamImages.com /Rudi Boigelot/Alun Morris Jones, Kollage: a.de

Mit der Konsolidierung der Fluggesellschaften am Himmel über Deutschland stehen auch Veränderungen am Boden an. "Es ist absehbar, dass die Veränderungen für einige Flughäfen tiefgreifend sein werden", sagte jetzt Ralph Beisel, Hauptgeschäftsführer beim Flughafenverband ADV zu airliners.de: Dabei seien die Chancen und Risiken für die einzelnen Flughäfen durchaus unterschiedlich verteilt. Noch sei es aber zu früh, um genaue Rückschlüsse auf die verkehrlichen Entwicklungen zu ziehen.

Air Berlin hatte Ende September angekündigt, sich zum Sommerflugplan 2017 mit einer halbierten Flotte vor allem auf das Zubringergeschäft von und nach Berlin und Düsseldorf zu konzentrieren. Von den Flughäfen in der Fläche will sich die derzeit noch zweitgrößte Fluggesellschaft Deutschlands dagegen weitestgehend verabschieden.

Als Hauptstandort der Air Berlin sehen sich die Berliner Flughäfen bereits als Profiteur des Umbaus. "Grundsätzlich ist das für uns keine Turbulenz, sondern eher positiv zu sehen", sagte Flughafenchef Karsten Mühlenfeld kürzlich vor Medienvertretern. Für Berlin sei es gut, wenn sich Air Berlin auf ihr Kerngeschäft beschränke. "Wir wollen langfristig sowieso mehr in den Bereich der interkontinentalen Verbindungen, der Netz-Carrier-Verbindungen, und nicht nur die Kurzstrecke anbieten."

Kein Kapazitätseinbruch zu erwarten

Selbst in Hamburg, aktuell noch viertwichtigster Abflughafen der Air Berlin und zukünftig wohl nicht mehr im Flugplan der Berliner, sieht man sich gut positioniert. "Am Hamburg Airport gibt es einen guten Mix an 60 unterschiedlichen Airlines, die das Potenzial haben, wegfallende Kapazitäten schnell auszugleichen", sagte jetzt eine Sprecherin auf Nachfrage. Insgesamt bediene Air Berlin 19 Strecken. Bis auf eine Route würden alle Verbindungen auch heute schon von mindestens einer weiteren Fluggesellschaft bedient.

Insgesamt ist nach der Air-Berlin-Aufspaltung in Deutschland zunächst ohnehin kein Kapazitätseinbruch zu erwarten. So wird ein Großteil der von Air Berlin nicht mehr selbst benötigten Flotte zukünftig an die Lufthansa vermietet und soll dann für deren Billigairline Eurowings abheben. Der Rest soll im Rahmen einer neuen Dachgesellschaft mit Tui weiterhin Ferienflüge anbieten. Air Berlin selbst will bis 2019 sogar acht zusätzliche Langstreckenflugzeuge in die Flotte aufnehmen.

Mit einer Reaktion durch die Wettbewerber ist zu rechnen

Ralph Beisel, Hauptgeschäftsführer beim Flughafenverband ADV

Hinzu kommen andere Anbieter, die in den Markt drängen und in der Neuordnung der deutschen Airlinebranche eine Chance wittern. So hat sich etwa Ryanair in den vergangenen Tagen selbst verstärkt als Alternative bei den Flughäfen angepriesen. Das Ziel der Iren ist bereits lange klar formuliert: Air Berlin überholen und zweitgrößte Airline in Deutschland werden.

© AirTeamImages.com, Bill Blanchard Lesen Sie auch: Ryanair kurbelt ihr Wachstum in Deutschland an

"Mit einer Reaktion durch die Wettbewerber ist zu rechnen", ist sich auch Beisel sicher. Es habe sich gezeigt, dass rentable Strecken schnell von Wettbewerbern weitergeflogen werden. Noch sei aber abzuwarten, an welchen Flughäfen Flugzeuge stationiert werden und welche Air-Berlin-Strecken von welcher Airline weitergeführt beziehungsweise neu aufgenommen werden.

Verhandlungsmacht der Fluggesellschaften steigt

Gleichzeitig führt der Konsolidierungsprozess bei den deutschen Airlines aber auch zu einer erhöhten Konzentration im Markt. "Die Entwicklung stärkt die Verhandlungsmacht der Airlines und erhöht weiter den Druck auf die Flughafenentgelte", warnt Beisel daher.

Nichtsdestotrotz begrüßen die Flughäfen die Konsolidierung der deutschen Luftverkehrsgesellschaften. Konsolidierte Airlines würden zumeist über eine bessere Wettbewerbsfähigkeit verfügen, so Beisel. Durch die sich nun abzeichnende neue Konstellation seien nicht zuletzt auch viele Crew-Arbeitsplätze gesichert.

© dpa, Bernd Settnik Lesen Sie auch: DLR nimmt Angebote von Billigfliegern unter die Lupe

"Die Nachrichten der letzten Woche kamen nicht überraschend", fasst Beisel die Situation zusammen. Die Entwicklungen bei den deutschen Airlines sei überdies nur Teil einer sehr viel größeren Neuordnung in Europa: "Die großen Netzwerk-Carrier konzentrieren sich auf die Langstrecke und die Hub-Zubringer. Gleichzeitig wächst das Marktsegment der Lowcost Airlines unaufhörlich und hochrentabel."

Von: dh
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