Air-Berlin-Aktie so teuer wie lange nicht

11.05.2017 - 14:24 0 Kommentare

Gute Nachrichten bei Air Berlin: Die Aktie der angeschlagenen Fluggesellschaft legt innerhalb weniger Tage um rund 150 Prozent zu. Angetrieben werden die Anteilsscheine von Gedankenspielen über eine mögliche Lufthansa-Übernahme.

Air Berlin: Die finanziell angeschlagene Airline wird zum Anlegerglück.Foto: © dpa, Maja Hitij

Die Aktie der Air Berlin ist nach der verschobenen Bilanzvorlage auf den höchsten Kurs seit Mai 2015 gestiegen. So legten die Papiere seit Ende April 2017 im Handel an der Frankfurter Börse um mehr als 150 Prozent zu. Am Donnerstag notierten sie zur Eröffnung bei 1,324 Euro.

Die Air Berlin-Aktie steigt derzeit wie im Rausch.

Claudio Kummerfeld, Analyst von finanzmarktwelt.de

Am 27. April musste Air Berlin aus "organisatorischen Gründen" die Vorlage seiner Jahresbilanz um einen Tag verschieben - der Kurs fiel auf ein neues Allzeittief von 0,521 Euro. Am 28. April - also einen Tag später - meldete die Airline einen Rekordverlust von rund 782 Millionen Euro. Auch die Schulden der Fluggesellschaft sind weit in den Milliardenbereich angewachsen. Der Kurs erholte sich dennoch leicht um 5,4 Prozent.

"Möglicherweise witterten einige Händler damals schon das Lufthansa-Interesse", sagt Finanzmarktexperte Kummerfeld im Gespräch mit airliners.de. Auch Luftfahrtexperte Gerald Wissel von Airborne Consulting ist sich auf Anfrage sicher: "Die Anleger glauben, dass mit diesen Zahlen die Talsohle erreicht sei."

Aktienkurs der Air Berlin PLC vom 27. April bis 10. Mai 2017
Kursangaben in Euro
27.04. 0.521
28.04. 0.549
02.05. 0.562
03.05. 0.574
04.05. 0.586
05.05. 0.698
08.05. 0.780
09.05. 0.903
10.05. 1.259

Die Angaben beziehen sich auf den Xetra-Handelsplatz der Frankfurter Börse. / Quelle: Börse Frankfurt

In der ersten Maiwoche äußerte sich Lufthansa-Chef Carsten Spohr am Rande der Hauptversammlung seines Konzerns ganz offen zu einer angestrebten Air-Berlin-Übernahme. Er machte eine Entschuldung durch den Air-Berlin-Großaktionär Etihad zur Bedingung. In jener Woche legte der Kurs der Aktie noch einmal um fast 30 Prozent auf rund 70 Cent zu. "Die Anleger gehen von einer wie auch immer gearteten Rettung durch Etihad oder die Lufthansa aus", so Wissel.

Die Aussage Spohrs, Etihad müsse zunächst Air Berlin entschulden, bevor der Kranich-Konzern die angeschlagene Airline übernehmen wolle, überrascht Branchenkenner nicht: "Er hat das große Ganze im Blick und hier ist Etihad natürlich an guten Wirtschaftsbeziehungen zu Deutschland interessiert", heißt es im Umfeld des Konzern-Chefs.

Experte Wissel sagt ganz offen: "Auf Seiten Abu Dhabis geht es vor allem darum, Glaubwürdigkeit und Verlässlichkeit in Richtung der weltweiten Finanzmärkte zu signalisieren. Dieses könnte ansonsten langfristig viel verheerender für Abu Dhabi sein, als noch einmal Geld in Air Berlin zu stecken."

Auch das Handelsvolumen steigt deutlich

Seit Anfang der laufenden Woche ist der Kurs der Air-Berlin-Aktie weiter um rund 80 Prozent gestiegen. Doch nicht nur der Kurs legte zu, auch erhöhte sich das Handelsvolumen der Papiere deutlich. Lag dieses in den vergangenen Monaten bei rund 100.000 Stück pro Tag, betrug es am Mittwoch 1,5 Millionen Anteilsscheine. "Natürlich sind das immer noch lächerlich kleine Gesamtsummen, die hier bewegt werden, wenn man die Umsätze denn in Relation zu Dax-Konzernen setzt", resümiert Analyst Kummerfeld.

© Lufthansa Group, Kolumne "Apropos": Die neuen Realitäten im deutschen Luftverkehr

Für die Zukunft wagt der Experte keine Prognose: "Das ist eine ganz heiße Kiste", so Kummerfeld. "Wenn Etihad Air Berlin fallen lässt und Lufthansa die kalte Schulter zeigt, ist der Hype ganz schnell vorbei. Aber es kann eben auch anders kommen."

Von: cs
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