Air-Berlin-Abwickler Flöther: Gläubiger wollen über eine Milliarde Euro

18.02.2019 - 10:53 0 Kommentare

Nach der Pleite von Air Berlin sind Millionen Tickets wertlos geworden. Insolvenzverwalter Flöther schätzt, dass es hier um einen Milliardenbetrag geht. Eine genaue Summe könne der Abwickler nach eigener Aussage noch nicht nennen.

Verwaltungsgebäude der Air Berlin am Flughafen Tegel. - © © dpa - Paul Zinken

Verwaltungsgebäude der Air Berlin am Flughafen Tegel. © dpa /Paul Zinken

Im Insolvenzverfahren um Air Berlin schätzt Abwickler Lucas Flöther die Forderungen der Gläubiger sehr hoch ein. "Wir gehen davon aus, dass die Gesamtsumme der Forderungen die Zahl von einer Milliarde Euro übersteigen wird", sagte der Insolvenzverwalter dem "Tagesspiegel". Air Berlin hatte im August 2017 Insolvenz angemeldet.

Noch könne man keine genaue Summe nennen, so Flöther weiter. "Die Prüfung der eingegangenen Forderungen dauert an." Dies werde "auch noch eine ganze Weile" so gehen, "was bei über 1,2 Millionen Gläubigern nicht verwunderlich ist". Die Tickets vieler Fluggäste sind nach der Pleite wertlos geworden - vor allem jene, die lange im Voraus gebucht worden waren.

Chance auf Rückzahlung hängt von Klage ab

Wie hoch die Chancen stehen, dass Fluggäste ihr Geld zurückbekommen, wollte Flöther nicht bewerten. "Ob die Passagiere Quotenzahlungen erhalten oder nicht, hängt vom Ausgang der Schadensersatzklage gegen Etihad ab, die wir im Dezember erhoben haben."

Bei der Klage geht es um ein Schreiben des damaligen Etihad-Chefs James Hogan aus dem April 2017. In dem Dreizeiler, der airliners.de vorliegt, sichert Hogan Air Berlin für weitere eineinhalb Jahre finanzielle Unterstützung zu. Erst daraufhin hatten die Wirtschaftsprüfer von KPMG letztlich den Konzernabschluss 2016 freigegeben.

Air Berlin und der Kredit der Regierung

Doch Etihad drehte im August 2017 den Geldhahn zu. Flöther ist überzeugt davon, dass dieser "Letter of Support" als "harte Patronatserklärung" gewertet werden sollte; "was bedeutet, dass Etihad für diese Zahlungszusage haftbar gemacht werden kann", unterstreicht der Insolvenzverwalter.

Daher hat Flöther beim Landgericht Berlin eine Milliardenklage eingereicht. Etihad bestreitet in dem Fall die Zuständigkeit eines deutschen Gerichts. Mit dem Geld soll die Masse für die Gläubiger aufgestockt werden - zu denen auch der Bund gehört.

© AirTeamImages.com, Alvin Man Lesen Sie auch: Etihad wehrt sich gegen Air-Berlin-Klage

Denn dieser gewährte Air Berlin nach Insolvenzanmeldung ein dreistelliges Millionendarlehen, damit die Airline ihren Betrieb bis zum Ende des Sommerflugplans 2017 fortführen konnte. Flöther unterstreicht nun, was er bereits Ende 2018 sagte: "Nach jetzigem Stand werden wir unter Umständen in der Lage sein, das gesamte Darlehen zu tilgen - allerdings ohne Zinsen".

Das war Air Berlin

Air Berlin war ab Anfang des Jahrtausends rund 15 Jahre lang die zweitgrößte deutsche Airline. Nach der Insolvenz wurden Teile an Lufthansa, Easyjet und Thomas Cook verkauft.

© Air Berlin, Andreas Wiese Lesen Sie auch: So viel kostet Air Berlin Bilanz

Von: airliners.de
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