Milliardengeschäft AIG verkauft ILFC nach China

10.12.2012 - 16:17 0 Kommentare

Es könnte die bislang größte chinesische Investition in den USA werden: Der amerikanische Versicherungskonzern AIG will seine weltumspannende Flugzeugleasing-Tochter ILFC verkaufen.

Grafik einer Boeing 737-800 in den ILFC-Hausfarben - © © Boeing -

Grafik einer Boeing 737-800 in den ILFC-Hausfarben © Boeing

Chinesische Investoren kaufen groß in den Vereinigten Staaten zu: Mit der International Lease Finance Corporation (ILFC) wechselt eine der führenden Flugzeugleasing-Firmen in den Besitz einer Investorengruppe aus dem Reich der Mitte. Die ILFC hat mehr als 1.000 Maschinen in ihrer Flotte, die sie an Fluggesellschaften weltweit vermietet.

Verkäufer ist der US-Versicherungskonzern AIG, der das Geschäft am Montag am Firmensitz in New York bekanntgab. Die Vereinbarung sieht zunächst den Verkauf von 80,1 Prozent der Anteile für 4,23 Milliarden US-Dollar vor. Zudem gibt es eine Option für den Kauf von weiteren 9,9 Prozent. Insgesamt wird ILFC mit 5,28 Milliarden Dollar (4,08 Mrd Euro) bewertet.

Die Investorengruppe wird von Weng Xianding angeführt, dem Vorsitzenden der New China Trust Company. Zu dem Konsortium gehört auch der China Aviation Industrial Fund. Dieser bislang größte Aufkauf eines US-Unternehmens durch Investoren aus China muss von den Aufsichtsbehörden allerdings noch genehmigt werden. Geht es nach Plan, soll das Geschäft im zweiten Quartal kommenden Jahres abgeschlossen werden.

Der Verkauf ist eine Spätfolge der Finanzkrise: AIG war einst Primus unter den Versicherern. Fehlspekulationen auf dem US-Häusermarkt brachten den Konzern vor vier Jahren jedoch an den Rand des Ruins. Der Staat sprang mit einem Rettungspaket über 182 Milliarden Dollar ein. Es war die teuerste Rettungsaktion der Finanzkrise. Der Staat hält nach mehreren Verkaufsrunden heute noch 15,9 Prozent.

AIG verkauft Geschäftssparten, um das Geld dem Steuerzahler zurückzuzahlen. Das fast vier Jahrzehnte alte Leasing-Unternehmen gehört zu den «Kronjuwelen» des Versicherers, wie Branchenkenner sagen. ILFC ist einer der größten Kunden der Flugzeughersteller Airbus und Boeing. AIG will mindestens zehn Prozent behalten.

Die Investoren wollen vom Boom der Luftfahrtindustrie in China profitieren, der wesentlich zum künftigen Wachstum des Unternehmens beitragen soll. Schon heute ist ILFC mit einem Marktanteil von 30 Prozent das größte Flugzeugleasing-Unternehmen in China. 16 chinesische Fluggesellschaften operieren mehr als 170 Flugzeuge der Leasing-Firma.

ILFC beschäftigt 560 Angestellte, davon 450 in den USA. Die Firmenzentrale soll in Los Angeles bleiben, auch am Management hält der neue Besitzer fest. Ursprünglich war ein Börsengang erwogen worden, doch wurde der Plan wegen der Ungewissheiten an den Finanzmärkten zugunsten des klaren Investments aus China aufgegeben.

Der Verkauf muss unter anderem vom Komitee für Auslandsinvestitionen der USA genehmigt werden, das auch nationale Sicherheitsinteressen in Erwägung zieht und große Übernahmen aus China kritisch beäugt. Nach der behördlichen Billigung des Geschäfts und der Ausübung der Option sollen sich auch die New China Life Insurance und der Investitionsarm der Industrial and Commercial Bank of China (ICBC) beteiligen.

«Dieses Geschäft schafft eine solide und strategische Partnerschaft für ILFC», erklärte AIG-Chef Robert Benmosche. Das Flugzeug-Leasing gehöre nicht zum Kerngeschäft von AIG. Der Verkauf werde die Liquidität und das Kreditprofil verbessern, so dass sich das Unternehmen stärker auf sein Versicherungsgeschäft konzentrieren könne.

Von: dpa
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