Negativimage trotz Sicherheitsoffensive

Afrikas Luftfahrt will aufholen

12.05.2010 - 17:39 0 Kommentare

Afrika gilt in der Luftfahrt in vielerlei Hinsicht als Schlusslicht: Mangelnde Radarabdeckung, Infrastrukturprobleme und zum Teil marode Airlines tragen zum Negativimage der Region bei. Gerade einmal drei Prozent des weltweiten Luftverkehrs findet über Afrika statt - und dennoch passieren rund ein Viertel aller Unfälle in Afrika. Bereits seit einigen Jahren arbeiten nun einige Vorreiter-Länder gemeinsam an einer Sicherheitsoffensive.

Luftfahrt in Afrika - Negativimage trotz Sicherheitsoffensive - © © AirTeamImages.com -

Luftfahrt in Afrika - Negativimage trotz Sicherheitsoffensive © AirTeamImages.com

Afrika gilt weltweit als Kontinent mit den höchsten Unfallzahlen im Luftverkehr. Er ist geplagt von mangelhafter Radar-Überwachung, schlechter Infrastruktur und oft auch veraltetem oder schlecht gewartetem Fluggerät. Experten schätzen, dass die Wahrscheinlichkeit eines Absturzes in Afrika sechsmal höher ist als anderswo.

Etwa ein Viertel aller Flugunfälle weltweit passiert dort - obwohl Afrika gerade mal drei Prozent des weltweiten Flugverkehrs stellt. Trotz eines Grundsatzabkommens zur Liberalisierung des afrikanischen Luftverkehrs fliegen die - meist staatlichen - Fluggesellschaften zudem in einem stark regulierten Markt.

Negativimage trotz Sicherheitsoffensive

Doch Afrika will seinen Ruf als Schlusslicht der Luftfahrt- Sicherheitsstatistik endlich los werden. Mit der Eröffnung einer Agentur für Zivilluftfahrt (ACAA) gab es 2007 den Startschuss für eine Offensive in Sachen Sicherheit.

Die ACAA mit Hauptsitz in Namibias Hauptstadt Windhuk will mit fünf Regionalbüros in Libyen, Äthiopien, Kamerun, Nigeria und Südafrika das Training, die Lizenzierung und Kontrolle von Flugpersonal und Flugzeugen standardisieren.

Auch sonst ist der Kontinent bestrebt, sein Negativimage loszuwerden - etwa durch eine Verbesserung der Navigations-Einrichtungen. Auf einer Konferenz der Internationalen Zivilluftfahrt-Organisation ICAO in Durban (Südafrika) hatte Generalsekretär Taieb Chérif dem Kontinent schon Ende 2008 einen historischen Wendepunkt bescheinigt.

Als positive Beispiele nannte er eine neue Höhen-Staffelung im Luftverkehr über Afrika (Reduced Vertical Separation Minimum/RVSM) sowie sogenannte Rote-Teppich-Flugrouten zwischen Nord- und Südafrika, die den Flugverkehr besser kanalisieren sollen.

Wichtig ist dies auch im Hinblick auf die Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika: Das Gastland erwartet zur WM im Sommer 120.000 zusätzliche Flüge und hat dafür gerade mit massiven Investitionen seine Infrastruktur modernisiert. In Durban wurde sogar ein komplett neuer Flughafen gebaut.

 

Airline Gründung Flotte aktuell  Ø-Alter Flotte bestellt Allianz
Afrikanische Global Player
South African Airways 1934, Südafrika 56 9,4 Jahre 6 Star Alliance
Egyptair 1971, Ägypten 50 9,1 Jahre 17 Star Alliance
Ethiopian Airlines 1945, Äthiopien 41 10,8 Jahre 42 Star Alliance (Bewerbung)
Kenya Airways 1977, Kenia 27 8,0 Jahre 9 SkyTeam (Associate)
Arik Air 2006, Nigeria 20 3,9 Jahre 33 keine
Afriqiyah Airlines 2001, Libyen 11 5,4 Jahre 14 keine
Tabelle © airliners.de, Daten-Quelle: atdb.aero

 

Afrikas Airlines holen auf

Die schlechte Sicherheitsstatistik verstellt auch den Blick auf die guten Leistungen von Airlines etwa in Nordafrika, aber auch Nigeria, Kenia, Äthiopien oder Südafrika. Auch die libysche Fluggesellschaft Afriqiyah Airways gehört zu den Airlines, die sich mit modernen Flugzeugen in den vergangenen Jahren einen guten Ruf erworben haben.

So war die nun in Tripolis verunglückte Afriqiyah-Maschine vom Typ Airbus A330-200 nicht einmal ein Jahr alt. Die Flotte besteht aus neun durchweg modernen Airbus-Maschinen der A320-Familie sowie nunmehr zwei A330. 2008 wurden rund 650.000 Passagiere transportiert.

Und auch der Name der Airline ist ein Sinnbild für die Zusammenarbeit in Afrika. "Afriqiyah" ist von der arabischen Bezeichnung für den Kontinent abgeleitet und soll nach libyschem Verständnis die Zusammenarbeit der Staaten Afrikas symbolisieren. Das Gründungsdatum der Afrikanischen Union prangt als Logo "9.9.99" auf allen Maschinen der Gesellschaft.

Während in einem Drittel der Länder - darunter Südafrika, Sambia, Äthiopien, Botsuana, Mali, Madagaskar und Namibia - seit 15 Jahren kein schwerer Unfall mit Todesopfern zu beklagen war, gehören vor allem Krisenstaaten wie der Sudan oder Kongo zu den Ländern mit den meisten Unfalltoten im Luftverkehr des Kontinents. Nicht zuletzt darum ist auch der internationale Druck groß. Airlines aus diesen Ländern tauchen auch in der von der Europäischen Union veröffentlichten Schwarzen Liste überproportional auf. Wer auf die Liste kommt, darf nicht mehr an Europas Himmel fliegen.

Links:

ACCA: www.afro-caa.com

ICAO: Dokumentation der Afrika-Konferenz

Wikipedia: Airlines in Afrika

Von: airliners.de mit dpa
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