Äthiopien verzögert Veröffentlichung von 737-Max-Zwischenbericht

03.04.2019 - 15:32 0 Kommentare

Anfang der Woche sollte ein Zwischenbericht zum Ethiopian-Absturz vorliegen. Doch bis jetzt ist nichts veröffentlicht. Die Fluggesellschaften richten sich derweil auf ein längeres Grounding der 737 Max ein.

Eine Boeing 737 Max 8 der Ethiopian Airlines steht eingemottet am Flughafen Bole in Addis Abeba. - © © dpa - Mulugeta Ayene/AP

Eine Boeing 737 Max 8 der Ethiopian Airlines steht eingemottet am Flughafen Bole in Addis Abeba. © dpa /Mulugeta Ayene/AP

Die Veröffentlichung des von den äthiopischen Behörden angekündigten Zwischenberichts zum Absturz einer Boeing 737 Max von Ethiopian Airlines im März lässt weiter auf sich warten. Eigentlich hatte das Verkehrsministerium die Veröffentlichung des Unfallberichts für Montag angekündigt.

Nun berichtet das angesehene "Wall Street Journal" (WSJ) unter Berufung auf eine mit den Untersuchungen vertraute Person, dass eine Fehlfunktion der umstrittenen Steuerungssoftware MCAS und möglicherweise auch der Umgang der Piloten mit dem Problem eine entscheidende Rolle bei dem Absturz gespielt haben soll.

Demnach hätte MCAS die Nase der Maschine kurz nach dem Start nach unten getrimmt, woraufhin die Piloten zunächst die von Boeing für diesen Fall vorgesehenen Notfall-Maßnahmen ergriffen hätten. Diese hatte Boeing nach dem Absturz einer 737 Max von Lion Air veröffentlicht.

Zweifel an Praktikabilität von Boeings Anweisung an Piloten

Reaktionen von Boeing oder den Behörden auf den "WSJ"-Bericht liegen noch nicht vor. Dem Bericht zufolge stellen die Erkenntnisse die bisherige Darstellung des US-Flugzeugbauers Boeing und der US-Luftfahrtbehörde FAA in Frage, nach der die Piloten das MCAS abstellen können, wenn die Software das Flugzeug wegen fehlerhafter Daten aus dem einzigen angeschlossenen Anstellwinkel-Sensor falsch austrimmt.

© dpa, Mulugeta Ayene/AP Lesen Sie auch: FAA nimmt 737-Max-Softwareupdate nicht ab

Dabei schalteten die Ethiopian-Piloten nach bisherigen Erkenntnissen die Stromzufuhr zu den Elektromotoren ab, die von der Automatik angesteuert werden. Dies habe aber nicht geholfen, um die in noch geringer Höhe fliegende Maschine wieder zu kontrollieren. Daraufhin hätte die Crew die Elektrik wieder eingeschaltet - und damit auch das MCAS. Dieses habe das Flugzeug dann weiter Richtung Erde gesteuert, bis es zum tödlichen Aufprall kam. Bei dem Absturz am 10. März starben alle 157 Insassen des Flugzeugs.

Grounding schlägt auf Flugpläne der Airlines durch

Boeing 737-Max-Flugzeuge von Tui stehen am Flughafen Brüssel-Zaventem Foto: © dpa, Frederik Ureel/BELGA

Derweil müssen Airlines, die schon 737 Max besitzen oder bei denen die Auslieferung eigentlich kurz bevor stand, Flugkapazitäten umschichten oder zusätzliche Flugzeuge kurzfristig anmieten.

Die US-Luftfahrtaufsicht FAA hatte Anfang der Woche weitere Nachbesserungen an Boeings Softwareupdate für das MCAS eingefordert und eine "rigorose Überprüfung" des neuen Systems angekündigt. Wann das Grounding der Maschinen aufgehoben wird, ist derzeit offen. Jetzt müssen die Fluggesellschaften umplanen, was zum Teil zu interessanten Konstellationen führt.

So teilte Lufthansa mit, dass man im Mai die Linie Montreal-Frankfurt für Air Canada fliege, da der nordamerikanische Start-Alliance-Partner teilweise Großraumgerät als Ersatz für seine 737 Max auf Inlandsflügen einsetzt. Ersatzweise hat sich Air Canada zudem mehrere Airbus A321 der insolventen Wow Air organisiert, die nun "zügig" in die aktive Flotte übernommen werden, wie Air Canada mitteilte. Air Canada hat 24 Boeing 737 Max 8 in ihrer Flotte, sechs weitere sollten im März und April dazu kommen.

Der weltgrößte Reisekonzern Tui hat bereits 15 Maschinen des Typs 737 Max in der Flotte und ist damit einer der größten europäische Betreiber. Das Grounding wird damit richtig teuer. Tui rechnet mit Kosten von mindestens 200 Millionen Euro für das Anmieten zusätzlicher Kapazitäten, wenn das Grounding noch bis in den Sommer andauert.

Bereits ausgelieferte Boeing 737 Max
Operator Max 8 Max 9
9 Air 1
Aerolineas Argentinas 5
AeroMéxico 6
Air Canada 24
Air China 16
Air Italy 3
American Airlines 24
Cayman Airways 1
China Eastern Airlines 3
China Southern Airlines 23
Comair (South Africa) 1
Copa Airlines 6
Corendon Airlines 1
Eastar Jet 2
Enter Air 2
Ethiopian Airlines 5
Fiji Airways 2 1
flydubai 11 3
Fuzhou Airlines 2
Garuda Indonesia 1
Globus 2
Gol Linhas Aéreas Inteligentes 7
Hainan Airlines 11
Icelandair 5
Jet Airways 5
Kunming Airlines 2
Lion Air 10
LOT Polish Airlines 5
Lucky Air (China) 3
Mauritania Airlines 1
MIAT - Mongolian Airlines 1
Norwegian 9
Norwegian Air International 9
Norwegian Air Sweden 3
Okay Airways 2
Oman Air 5
Private 2
Royal Air Maroc 2
S7 Airlines 2
SCAT Airlines 1
Shandong Airlines 6
Shanghai Airlines 9
Shenzhen Airlines 5
SilkAir 6
Smartwings (Czechia) 7
Smartwings (Poland) 1
Southwest Airlines 34
SpiceJet 13
Sunwing Airlines 3
Thai Lion Air 3
TUI Airways 6
TUI fly (Belgium) 4
TUI fly (Netherlands) 3
TUI fly Nordic 2
Turkish Airlines 11 1
United Airlines 14
WestJet 13
Xiamen Airlines 10

Stand: 03/2019Quelle: ch-aviation

Von: dk mit dpa
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