Flugzeugbauer suchen Produktionsstandort für neuen Überschalljet

22.11.2015 - 08:19 0 Kommentare

Airbus und Aerion wollen einen Überschalljet bauen - jetzt werden die Pläne weiter vorangetrieben. Die Produktion wird in den USA stattfinden. Ein deutsch-österreichisches Unternehmen soll derweil die Kabine entwickeln.

Darstellung des Überschallflugzeugs Aerion AS2.

Darstellung des Überschallflugzeugs Aerion AS2.
© Aerion

So soll das Überschallflugzeug Aerion AS2 einmal aussehen.

So soll das Überschallflugzeug Aerion AS2 einmal aussehen.
© Aerion

Die Pläne von Aerion und Airbus für einen Überschalljet für Geschäftsreisende nehmen konkretere Formen an. Aerion will bis Mitte 2016 über den Ort der Produktionsstätte für das Flugzeug mit dem Namen AS2 entscheiden, teilte das Unternehmen jetzt in Las Vegas mit.

Airbus soll große Teile des Flugzeugs liefern und technische Führungskräfte zu Aerion entsenden. "Wir sehen klare und umsetzbare technische Lösungen für einen Überschalljet und einen realistischen Fahrplan, um Aerion auf dem Weg zum Bau und zum Flug der Maschine zu helfen", sagte Airbus-Manager Ken McKenzie.

Die Endmontage des neuen Überschall-Businessjets ist dann Aerion zuständig. Mit dem Bau einer eigenen Fertigungsanlage will das Unternehmen ab 2018 beginnen. Der Standort für die Endmontage wird dabei nicht an einem Airbus-Standort stattfinden - als Fläche werden 40 Hektar in der Nähe eines Flughafens in den USA gesucht.

Hinter Aerion steht der texanische Milliardär Robert Bass. Das Vorhaben wurde 2002 gestartet und während der Finanzkrise 2008/2009 auf Eis gelegt. Im vergangenen Jahr stieg schließlich Airbus als Partner ein.

Die AS2 soll nach neuesten Angaben im Jahr 2021 erstmals abheben und 2023 in Dienst gehen. Ob der Terminplan zu halten ist, bleibt derweil fraglich: Beim Airbus-Einstieg vor einem Jahr war noch von 2019 als Erstflugdatum die Rede.

Ziel ist die 1,5-fache Schallgeschwindigkeit

Die AS2 soll rund 52 Meter lang sein und eine Spannweite von 19 Metern haben. Über dem Meer soll das Flugzeug den Planungen nach bis zu zwölf Passagiere mit der 1,5-fachen Schallgeschwindigkeit transportieren. Damit kann der Überschall-Businessjet die Route Frankfurt – New York in weniger als vier Stunden zurücklegen.

Atlantiküberquerungen werden damit um rund drei Stunden verkürzt - transpazifisch kann die Überschall-Klientel im Vergleich zum normalen Flugzeug sogar bis zu sechs Stunden Zeit sparen. Über Land muss aber auch der neue Jet langsamer fliegen, um einen Überschallknall zu vermeiden.

Einen ersten Großkunden gibt es bereits: Der amerikanische Businessjet-Betreiber Flexjet hat 20 Maschinen fest bestellt. Über den Kaufpreis für den Supersonic-Businessjet wurden noch keine offiziellen Angaben gemacht. Medien schreiben von 120 Millionen Dollar Listenpreis pro Stück.

Lufthansa Technik ist an Kabine beteiligt

Laut Aerion gibt es inzwischen vorläufige Pläne unter anderem für Tragflächen aus Kohlenstofffasern, den Rumpf, Leitwerk und ein neuartiges, platzsparendes Fahrwerk. Die ersten Zulieferer sind den Angaben zufolge bereits ausgewählt.

Die Flugzeugkabine soll etwa Inairvation entwickeln, ein Gemeinschaftsunternehmen von Lufthansa Technik und der österreichischen List GmbH. Bis Mitte 2016 will Aerion über den Triebwerkshersteller entscheiden.

Animation des Spike S-512 Supersonic Jet. Foto: © Spike Aerospace

Derweil schläft auch die Konkurrenz nicht. In den USA arbeitet Spike Aerospace ebenfalls an einem Überschall-Passagierjet, der Supersonic Spike S-512. Das Flugzeug für bis zu 18 Passagiere soll ebenfalls Anfang der 2020er Jahre erstmals ausgeliefert werden.

© dpa , Airbus Lesen Sie auch: Airbus sichert sich Patent für ultraschnellen Concorde-Nachfolger

Der Markt für zivile Überschallflugzeuge ist seit dem Betriebsende der Concorde im Jahr 2003 verwaist. Die Maschine, die vom französischen Airbus-Vorläufer Aérospatiale in den 1970er Jahren mitentwickelt wurde, hatte sich für die einzigen Betreiber British Airways und Air France angesichts ihres extrem hohen Treibstoffverbrauchs als unrentabel erwiesen. Beim Absturz einer Concorde im Juli 2000 kamen 113 Menschen ums Leben.

Von: ch, dh, dpa
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