Übernahmeversuch

Aer Lingus lässt Ryanair abblitzen

20.06.2012 - 17:44 0 Kommentare

Billigflieger Ryanair startet einen neuen Anlauf, auf dem irischen Heimatmarkt den Konkurrenten Aer Lingus zu übernehmen. Der Preis ist gesunken, die EU-Hürden könnten nicht mehr ganz so hoch liegen. Aer Lingus weist die Offerte zurück.

Michael OLeary, CEO Ryanair, posiert auf dem Flughafen Wroclaw mit einem Modell vor einer Ryanair-Maschine.

Michael OLeary, CEO Ryanair, posiert auf dem Flughafen Wroclaw mit einem Modell vor einer Ryanair-Maschine.
© dpa - Maciej Kulczynski

Airbus A320 der Aer Lingus

Airbus A320 der Aer Lingus
© AirTeamImages.com

Der irische Billigflieger Ryanair greift erneut nach der Mehrheit beim heimischen Konkurrenten Aer Lingus. Mehr als fünf Jahre nach dem von der EU untersagten letzten Anlauf hat Ryanair den Eigentümern ein Angebot unterbreitet, das nach Angaben der Fluggesellschaft 38,3 Prozent über dem Schlusskurs vom Dienstag liegt. Das Management um Michael O'Leary bietet 1,30 Euro je Aer-Lingus-Aktie - weniger als halb so viel wie Ende 2006 und zehn Cent weniger als beim zweiten Anlauf im Jahr 2008. Aer Lingus wies die Offerte am Mittwoch prompt als zu niedrig zurück. Die EU-Kommission kündigte eine erneute kartellrechtliche Prüfung an.

Die Aer-Lingus-Aktie reagierte am Mittwoch mit einem Kurssprung auf die Nachrichten. Bis zum Handelsschluss legte das Papier an der Dubliner Börse um 15,43 Prozent auf 1,0850 Euro zu. Für die Ryanair-Titel ging es um 0,90 Prozent auf 4,0160 Euro nach oben.

O'Leary spekuliert vor allem auf die angespannte Haushaltslage beim irischen Staat, der ein Viertel der Aer Lingus hält und den Erlös dringend zur Haushaltssanierung gebrauchen könnte. Die Ryanair-Offerte bewertet das Unternehmen mit insgesamt knapp 700 Millionen Euro. Der größte Billigflieger Europas besitzt bereits knapp 30 Prozent der Anteile und will noch einmal mindestens 50 Prozent zukaufen.

Nach Ansicht der Aer-Lingus-Führung wird das Ryanair-Angebot dem Wert der einstigen Staatsfluglinie nicht gerecht. Seit 2009 habe sich Aer Lingus zu einem profitablen und zukunftsfähigen Unternehmen entwickelt, argumentierte das Management. Außerdem sei es zweifelhaft, ob die Wettbewerbshüter die Übernahme genehmigen würde. Aer Lingus hält es sogar für möglich, dass Ryanair demnächst die bestehende Beteiligung abstoßen muss. Derzeit beschäftigt sich noch die britische Übernahmekommission mit dem Thema.

Die EU-Kommission erwartet nun schnelle Informationen über die geplante Übernahme. «Wenn diese Übernahme bestätigt und bei uns angemeldet wird, dann wird die EU-Kommission den Fall untersuchen», sagte der Sprecher von EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia am Mittwoch in Brüssel. «Ich bin sicher, dass Ryanair auch bereits im Vorfeld mit uns Kontakt aufnehmen wird.» Ob die EU-Kommission wie bereits früher Vorbehalte gegen die Fusion hat, ließ der Sprecher offen: «Wir werden den Fall im Licht der aktuellen Umstände prüfen.»

Ryanairs vorhergehenden Anlauf bei Aer Lingus hatte die EU-Kommission im Jahr 2007 gestoppt: Sie sah den Wettbewerb auf den Strecken von und nach Dublin gefährdet. Diese Sichtweise dürfte sich angesichts der Entwicklung in der Branche inzwischen geändert haben, hofft die Ryanair-Spitze. Schließlich habe die Kommission sogar dem Verkauf der britischen Lufthansa-Tochter BMI an die British-Airways-Mutter IAG zugestimmt - obwohl damit die Nummer eins am Londoner Flughafen Heathrow die Nummer zwei schluckte. Auch die Zukäufe der Lufthansa - Swiss, Austrian Airlines und eine Beteiligung an Brussels Airlines - hätten die Wettbewerbshüter durchgehen lassen.

Ryanair dürfte nicht der einzige Interessent sein. Die arabische Fluggesellschaft Etihad zeigte im vergangenen Herbst Interesse an einem Viertel der Anteile und hatte zuletzt rund drei Prozent der Aer-Lingus-Aktien erworben. O'Leary forderte die Staatsfluglinie aus dem Emirat Abu Dhabi auf, bei Interesse nun selbst ein Gebot für Aer Lingus abzugeben. Die Araber knüpfen derzeit ein Kooperationsnetz in Europa. Anfang des Jahres waren sie auch bei Air Berlin zum größten Aktionär aufgestiegen.

Von: dpa, dpa-AFX
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