Abschlussbericht zum Luxair-Unfall in Saarbrücken liegt vor

01.12.2016 - 17:07 0 Kommentare

Nach der "Bauchlandung" einer Luxair-Maschine in Saarbrücken liegt jetzt der Abschlussbericht der Experten vor: Die Maschine verunglückte, weil die Copilotin das Fahrwerk viel zu früh einzog.

Diese Luxair-Maschine war Ende September 2015 am Flughafen Saarbrücken verunglückt. - © © dpa - Oliver Dietze

Diese Luxair-Maschine war Ende September 2015 am Flughafen Saarbrücken verunglückt. © dpa /Oliver Dietze

Die "Bauchlandung" eines Luxair-Flugzeuges beim Start auf dem Flughafen Saarbrücken im September 2015 geht auf einen schweren Fehler der Copilotin zurück. Die damals 27-Jährige habe das Fahrwerk der zweimotorigen Turboprop-Maschine bereits eingezogen, als die hinteren Räder noch auf dem Boden waren, heißt es im Untersuchungsbericht der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) in Braunschweig. Bereits bei ihrem Zwischenbericht waren die Experten zu einem entsprechenden Ergebnis gekommen.

Somit konnte die Bombardier DHC-8-402 nicht abheben: Zunächst war das Heck und dann der Bug auf die Startbahn geschlagen. Die Maschine rutschte rund 800 Meter über die Piste, bis sie zum Stillstand kam. Die 20 Insassen überstanden das Unglück unverletzt.

Vierter Start des Tages

Das Flugzeug war am 30. September zunächst von Luxemburg nach Hamburg und dann von Hamburg nach Luxemburg - mit jeweils einem kurzen Zwischenstopp in Saarbrücken - unterwegs gewesen. Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass bei der Co-Pilotin "im Startverlauf des vierten Starts innerhalb von weniger als vier Stunden eine verminderte Aufmerksamkeit" vorlag, steht im BFU-Bericht.

Übersicht Rutschspur und Endlage des Flugzeugs. Foto: © BFU, Flughafen Saarbrücken

Die Copilotin habe sich im Nachhinein nicht erklären können, warum sie so früh den Hebel für ein Einfahren des Fahrwerks umgelegt habe. Eigentlich hätte sie auf die Anweisung des Kapitäns warten müssen. Das Missgeschick war den Aufzeichnungen des Cockpit-Voice-Recorders zufolge sofort aufgefallen: "Uups, sorry", sagte die Copilotin, kurz nachdem sich die Nase der Maschine leicht angehoben hatte und im Hintergrund das wahrscheinliche Geräusch des Fahrwerkshebels zu vernehmen war.

Hersteller bessert nach

Künftig wird so ein Unfall mit diesem Flugzeugtyp nicht mehr vorkommen können: Nach dem Unfall hat der Hersteller des Flugzeuges nach Angaben der BFU veranlasst, dass das Fahrwerk erst eingezogen werden kann, wenn keines der Räder mehr Bodenkontakt hat. Laut BFU-Bericht sind vergleichbare Unfälle mit dem Muster DHC-8-402 bis heute nicht bekannt

Die Staatsanwaltschaft in Saarbrücken ermittelt gegen die Copilotin wegen fahrlässiger Gefährdung des Luftverkehrs. Auf den Abschlussbericht der BFU habe man gewartet, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. Nach früheren Angaben von Luxair wird die junge Frau nicht mehr als Pilotin eingesetzt.

Von: dpa, gk
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