Abschaffung der Zeitumstellung: Bund lässt Luftfahrt warten

Exklusiv 17.12.2018 - 15:09 0 Kommentare

Die Abschaffung der Zeitumstellung könnte den Flugverkehr belasten, warnt der Airport München. Die Bundesregierung arbeitet noch an einer Bewertung der Situation, geht aus einer FDP-Anfrage hervor.

Blick in den Bundestag. - © © Bundesregierung -

Blick in den Bundestag. © Bundesregierung

Die Bundesregierung hat noch keine abschließende Bewertung der Auswirkungen, die die Abschaffung der Zeitumstellung auf die Luftfahrt hat, vorgenommen. Dies geht aus der Antwort auf eine entsprechende Anfrage der FDP-Bundestagsfraktion hervor, die airliners.de exklusiv vorliegt: "Die möglichen Auswirkungen sind Gegenstand der derzeitigen Beratungen der EU-Mitgliedstaaten."

Im Luftverkehr könne es zu Umstellungsproblemen kommen, "wenn Flüge zwischen zwei koordinierten Flughafen innerhalb der EU nicht mehr auf ein bestehendes Slot-Paar für Start/Landung zurückgreifen können". Eine abschließende Bewertung durch die Bundesregierung sei derzeit aber noch nicht möglich, heißt es in dem Papier.

FDP warnt vor "absolutem Chaos"

Die FDP drängt auf schnelles Handeln: "Die Lage im europäischen Luftraum ist sowieso schon angespannt", konstatiert der Abgeordnete Marcel Klinge im Gespräch mit airliners.de. "Wenn das Ende der Zeitumstellung schon im kommenden Jahr gekommen wäre, hätte man Passagiere, Airlines und Flughäfen in ein absolutes Chaos geschickt."

Die nun gewonnene Zeit muss die Bundesregierung nutzen, um zügig zu handeln und einheitliche Einigungen herbeizuführen.

Marcel Klinge, Bundestagsabgeordneter der FDP

Die EU-Kommission hatte nach einem entsprechenden Votum in den Mitgliedsländern beschlossen, dass die Umstellung von der Sommer- auf die Winterzeit abgeschafft werden soll. Zunächst war das kommende Jahr angepeilt; jedes Mitgliedsland sollte dann selbst entscheiden, welche Zeit es annehmen möchte.

Allerdings revidierte die EU diese Entscheidung jüngst und peilt nun "frühestens 2021" für die Umstellung an. In den kommenden Monaten will man sich innerhalb des Staatenbundes auf eine Zeit einigen. Denn: Die EU kann nur sagen, ob die Zeitumstellung abgeschafft wird - sie kann ihren Mitgliedstaaten nicht vorschreiben, ob dauerhaft Sommer- oder Winterzeit gelten soll.

Regierung will "harmonisierte Lösung"

Auch die Bundesregierung will verhindern, dass einige EU-Staaten die Sommer- und andere die Winterzeit annehmen. "Sie wird daher in enger Abstimmung mit den europäischen Partnern darauf hinwirken, dass eine möglichst einheitliche und weitgehend harmonisierte Lösung zügig gefunden wird."

Klinge pocht ebenfalls auf den EU-einheitlichen Ansatz: "Oberstes Ziel muss es sein, dass Flughäfen, Airlines sowie Passagiere nicht über Gebühr belastet werden." Das gelte auch für Slots bei Langstreckenverbindungen; "Dies setzt auch eine frühzeitige Planungssicherheit voraus."

Airport München sieht Einschränkungen

Ein Beispiel des Flughafens München zeigt die Auswirkungen: Zwar werden Flüge in der international einheitlichen UTC-Zeit koordiniert, allerdings sind diese bei einigen Verbindungen mitunter seit Jahrzehnten an Sonderwege wie die Zeitumstellung inklusive lokaler Nachtflugbeschränkungen.

Aktuell landet der nächtliche Flug aus Hong-Kong beispielsweise immer morgens knapp nach dem Nachtflugverbot am Münchner Airport. Würde die Zeitumstellung dauerhaft abgeschafft, müssten die Maschinen das ganze Jahr über um UTC plus acht (16 Uhr chinesischer Zeit) in Hong-Kong starten; allerdings zeigt der Blick in die Tabelle der Slot Coordination, dass es maximal um kurz vor und nach elf Uhr vormittags noch Slots zum Starten geben würde.

© Flughafen München GmbH, Lesen Sie auch: München fürchtet Ende der Zeitumstellung

Von: cs
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