Abfertiger in Frankfurt umgeht wohl Tarifvertrag

Acciona soll eine Tochter für die Ryanair-Abfertigung in Frankfurt gegründet haben: Diese halte sich nicht an den geltenden Tarifvertrag und zahle nur Mindestlohn. Das Konstrukt könnte auch nach dem Lizenzverlust des Abfertigers aufrecht gehalten werden.

Ramp Agents der Acciona. Foto: © Berliner Flughäfen, Günter Wicker

Der spanische Bodendienstleister Acciona hat für die Abfertigung der Ryanair-Flüge am Flughafen Frankfurt ein Tochterunternehmen gegründet. Wie airliners.de aus Mitarbeiterkreisen erfuhr, entlohne die Tochter des Mischkonzerns, Acciona GSD, lediglich nach Mindestlohn - der geltende Tarifvertrag werde umgangen.

Der Mindestlohn liegt im Mittel rund 40 Prozent unter der Bezahlung des Mindestlohns für lizenzierte Abfertiger am Frankfurter Flughafen. Wie viele der in Frankfurt 1000 bei Acciona Beschäftigten betroffen sind, ist nicht bekannt. Das Unternehmen selbst reagierte über Wochen hinweg weder auf Anrufe noch E-Mail-Anfragen von airliners.de.

Hintertür hebelt Tarifvertrag aus

Dass die Acciona-Tochter den Tarifvertrag umgeht, ist arbeitsrechtlich über eine Hintertür möglich: Da das Personal der Acciona bei Zeitarbeitsfirmen angestellt ist und lediglich an das spanische Unternehmen "ausgeliehen" wird und die GSD zudem eine direkte Tochter der spanischen Acciona und nicht der Acciona Airport Services ist, lässt sich geltendes Tarifrecht aushebeln.

Tarifexperte Eckhard Bergmann erklärt: "Sofern die Mitarbeiter bei einer Zeitarbeitsfirma angestellt und an Acciona GSD 'ausgeliehen' sind, kann der bei der Mutter Acciona geltende Tarifvertrag nicht mehr ohne Weiteres greifen." Natürlich könnten sich Mitarbeiter einer Zeitarbeitsfirma grundsätzlich auch weigern, an einen anderen Dienstleister "verliehen" zu werden - "allerdings droht ihnen dann möglicherweise die Kündigung".

"Wir sind entsetzt über die Tarifflucht der Acciona. Wir fordern gleiche Bezahlung, für die gleiche Arbeit bei Acciona am Frankfurter Flughafen", sagt Sebastian Marten von Verdi. "Daher werden wir die untarifierte Tochterfirma der Acciona unverzüglich zu Tarifverhandlungen auffordern."

Lizenz gilt bis Februar

Unklar ist aktuell allerdings, wie lange Acciona noch an Deutschlands größtem Flughafen tätig sein wird. Die Spanier hatten im Frühjahr die erst 2014 in Kraft getretene Lizenz für die Rampen-Abfertigung am Airport an Wisag verloren. Dagegen legte Acciona Klage ein. Das hessische Verwaltungsgericht legte fest, dass der Übergang von Acciona auf Wisag im Februar kommenden Jahres stattfinden soll.

© Wisag, Lesen Sie auch: Neue Konkurrenz für Fraport bei Abfertigung am Frankfurter Flughafen

Es besteht dennoch die Möglichkeit, dass die Acciona weiterhin Dienstleistungen am Flughafen Frankfurt anbietet. Denn das Passage-Geschäft (Check-In) ist lizenzfrei; Ryanair könnte theoretisch also auch noch im kommenden Sommer für die Rampen-Abfertigung Fraport oder Wisag engagieren und beim Check-In Kunde der tariflosen Acciona GSD sein.

Von: cs

Datum: 09.11.2017 - 08:00

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