Ab Mitte der Woche: Air-Berlin-Piloten kündigen Warnstreiks an

17.06.2013 - 18:57 0 Kommentare

Air-Berlin-Passagiere müssen in dieser Woche mit Behinderungen rechnen. Die Piloten wollen ihren Forderungen im seit Monaten festgefahrenen Tarifstreit mit einem Warnstreik neuen Druck verleihen.

Flugzeuge der Air Berlin am Flughafen Berlin-Tegel - © © airliners.de - Oliver Pritzkow

Flugzeuge der Air Berlin am Flughafen Berlin-Tegel © airliners.de /Oliver Pritzkow

Piloten von Air Berlin treten in den Warnstreik. Von Mitte der Woche an seien Ausstände bei Deutschlands zweitgrößter Fluggesellschaft zu erwarten, teilte die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) am Montag mit. Die monatelangen Verhandlungen über einen neuen Tarifvertrag seien festgefahren, die bisherigen Angebote der Arbeitgeber nicht verhandlungsfähig.

Die in der VC organisierten Piloten forderten mittelfristig eine Heranführung an die in der Branche üblichen Gehälter. Die Airline verlange hingegen deutliche Beiträge der Belegschaft zur Konsolidierung des Unternehmens. Derzeit verdienen die Piloten der VC zufolge deutlich weniger als beispielsweise bei Germanwings oder Condor. Eine "mittelfristige Anpassung" schließe die kommenden drei Jahre ein.

Die Tarifkommission habe den Arbeitgeber bereits mehrfach aufgefordert, ein substanzielles Angebot vorzulegen. Die bisherigen Angebote seien aber unzureichend und nicht verhandlungsfähig. "Die Probleme bei Air Berlin sind hausgemacht", erklärte die Gewerkschaft. Da Air Berlin das eigene Geschäft zunehmend auf Partnerairlines verlagere, sei die Produktivität zwangsläufig gesunken. Dieser Umstand könne aber nicht dem eigenen Personal zur Last gelegt werden.

Die Pilotengehälter seien nur ein kleiner Teil der Air-Berlin-Bilanz, betonte die VC. Eine Erhöhung werde weniger zu Buche schlagen, als die Entwicklung der Treibstoffpreise. Ein neuer Verhandlungstermin ist noch nicht angesetzt.

Im ebenfalls festgefahrenen Tarifkonflikt zwischen der VC und der Lufthansa plant die Gewerkschaft dagegen vorerst keine Streiks. Zuvor hatte die VC-Tarifkommission der Lufthansa vorgeworfen, die wirtschaftliche Lage schwarzzumalen, um der Belegschaft Zugeständnisse abzupressen.

Anders als die Lufthansa steht allerdings Air Berlin unter erheblichem finanziellen Druck. Die Fluggesellschaft hatte nach jahrelangen Verlusten 2011 einen Schrumpfkurs begonnen und den Flugplan ausgedünnt. Spürbare Erfolge des Sanierungsprogramms "Turbine" erwartet die Airline aber erst im dritten Quartal.

Air Berlin teilte am Abend mit, man habe den Piloten trotz der derzeitigen Umsetzung des Turnaroundprogramms ein "faires Angebot" vorgelegt. Nach der bereits erfolgten Einigung mit dem Kabinenpersonal bedauere Air Berlin, dass die Vereinigung Cockpit diesen Weg der Auseinandersetzung suche. Air Berlin werde alles dafür tun, um Flugunregelmäßigkeiten, die bei einem möglichen Streik entstehen könnten, gering zu halten. Nach derzeitigem Stand sollen alle Flüge wie geplant stattfinden. Sobald weitere Informationen vorliegen, werde Air Berlin die Fluggäste informieren.

Von: dpa, AFP, airliners.de
Nachrichten-Newsletter

Keine Nachricht verpassen mit unserem täglichen Newsletter.

Ich habe die Datenschutzbestimmungen zur Kenntnis genommen.

  • Flugbegleiterinnen von Sun Express. Kampf um Sun-Express-Betriebsrat geht weiter

    Die Mitarbeiter von Sun Express Deutschland dürfen vorerst keinen Betriebsrat wählen. Die Airline hat eine einstweilige Verfügung erwirkt. Doch VC und Ufo wollen die Sache bis zur letzten Instanz ausfechten.

    Vom 19.04.2018
  • Streikender Ryanair-Pilot der irischen Ialpa: Erneute Arbeitsniederlegungen angekündigt. Ryanair-Piloten terminieren neue Streiks

    Nach dem unternehmensweit ersten Pilotenstreik steht Ryanair vor einem neuen Arbeitskampf im Cockpit: Die irische Ialpa hat bereits zwei neue Streiktage angesetzt. Und auch in Deutschland drohen Ausstände.

    Vom 13.07.2018
  • Im Cockpit einer A320: LGW kämpft offenbar mit Personalmangel. LGW diskutiert Cockpit-Umbesetzung

    Bei der Eurowings-Tochter LGW fehlen nach airliners.de-Informationen Co-Piloten für die Airbus-Flugzeuge. Daher wird diskutiert, die Cockpits fortan mit zwei Kapitänen zu besetzen. Für das Verfahren gibt es bereits Beispiele.

    Vom 15.06.2018

Themen

Es gelten die Forenregeln und Nutzungsbedingungen » mit Unterstützung durch Disqus