Airbus bereitet angeblich schon Programmabbruch vor

A400M-Ausstieg bereits beschlossen?

05.01.2010 - 11:51 0 Kommentare

Airbus rechnet offenbar nicht mehr damit, mit den Kunden des A400M eine Einigung erzielen zu können. Laut einem Bericht der "Financial Times Deutschland" trifft der Flugzeughersteller bereits Vorbereitungen für den Abbruch des Programms.

Airbus A400M - © © AirTeamImages.com -

Airbus A400M © AirTeamImages.com

Der Chef des Airbus-Konzerns bereitet einem Pressebericht zufolge bereits den Ausstieg aus dem Bau des Militärtransporters A400M vor. Thomas Enders, Chef der EADS-Tochter, sei sehr skeptisch, dass bis Ende Januar mit den Regierungen der sieben europäischen Bestellländer eine Einigung über die Zusatzzahlung von 5,3 Milliarden Euro gefunden werde, berichtet die "Financial Times Deutschland" („FTD“, Dienstag) und beruft sich auf Unternehmenskreise.

Die Chancen für eine für alle Seiten akzeptable Lösung lägen bestenfalls bei 50 Prozent. Daher gebe es jetzt erste Planungen für einen Programmabbruch. «Schon Anfang Februar könnten 100 A400M-Ingenieure zum neuen Zivilmodell A350 wechseln», schreibt das Blatt weiter.

Enders habe bereits beim Weihnachtsessen mit dem Topmanagement gesagt, dass er "nicht mehr an eine erfolgreiche Programmfortführung glaubt". Er habe einen möglichen Ausstieg nun in mehreren Führungsgremien angesprochen, schreibt die Zeitung und beruft sich auf weitere Quellen. "Er ist nicht bereit, das gut laufende zivile Airbus-Geschäft durch den A400M aufs Spiel zu setzen", zitiert das Blatt einen Insider. Enders sehe im A400M eine existenzielle Gefahr für Airbus.

Die Entscheidung über Fortführung oder Abbruch des Projekts soll noch im Januar getroffen werden. Erst kürzlich hatte Konzernsprecher Stefan Schaffrath noch bekundet, man wolle „das A400M-Projekt zu einem Erfolg führen“.

Milliardenverluste

Im Kern geht es um die Frage, ob die sieben europäischen Länder, die den A400M bestellt haben, bereit sind, neben dem Festpreis von 20 Milliarden Euro für 180 Maschinen die von Airbus geforderten weiteren 5,3 Milliarden Euro zu bezahlen - weil die Entwicklung des Flugzeugs insgesamt 11,3 Milliarden Euro teurer wird. Nach Informationen der "FTD" konnten sich die Verteidigungsminister der bestellenden Länder bei ihrer Tagung im Dezember nicht über die Verteilung der Mehrkosten einigen.

Diese Mehrkosten sollen geteilt werden: Der Flugzeughersteller hat bereits A400M-Verluste über 2,4 Milliarden Euro gebucht. Weitere 3,6 Milliarden Euro sieht Airbus laut Bericht als seine Risiken an - was letztlich auch zu Verlusten führen kann. Bei einem Abbruch des Programms müsste EADS alle erhaltenen Anzahlungen über rund 6,4 Milliarden Euro an die Regierungen zurückbezahlen.

Weitere Abschreibungen wären auf Gebäude und Werkzeuge notwendig. Trotz dieser gewaltigen Summen könnte sich ein Ausstieg für den Flugzeughersteller sogar rechnen, heißt es. Mit dem A400M entscheidet sich aus Sicht von Konzernkennern die Zukunft von Airbus und EADS sowie Enders' Karriere. Erst Mitte Dezember 2009 hatte der A400M seinen Erstflug mit mehr als drei Jahren Verspätung gemeistert.

Bundesregierung strebt Programmfortsetzung an

Die Bundesregierung setzt unterdessen weiter auf eine Vereinbarung zur Fortsetzung des Militärtransporter-Programms. «Wir erinnern daran, dass das Stillhalteabkommen, das sogenannte Moratorium, zwischen den Vertragsnationen und der Industrie bis zum 31. Januar verlängert wurde», sagte ein Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums am Dienstag in Berlin. Das räume allen Beteiligten «mehr Bedenkzeit» ein. Man versuche weiterhin, bis Ende des Monats die erforderlichen Details für die Fortführung des Programms mit der Industrie zu klären.

Bislang habe es noch keine direkten Zusagen an die Airbus-Mutter EADS gegeben. Es werde weiter an einem Kompromiss gearbeitet, sagte der Ministeriumssprecher. Zu einem Kompromiss gehöre es, aufeinander zuzugehen.

Voraussichtlich Mitte kommender Woche werde es ein weiteres Treffen auf Ebene der Staatssekretäre der sieben Abnehmerländer für den Militärtransporter geben. Neben Deutschland und Frankreich sind auch Spanien, Großbritannien, die Türkei, Belgien und Luxemburg an dem Programm beteiligt.

Von: dpa-AFX, ddp, airliners.de, dpa
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