Neo-Probleme: Lufthansa bestellt weitere A320ceo

10.09.2018 - 15:21 0 Kommentare

Lufthansa sattelt im Zuge der A320neo-Probleme um und bestellt mehr Maschinen mit herkömmlichen Triebwerken. Es ist nicht das erste Mal, dass die Airline statt langer Wartezeiten lieber die ältere Airbus-Generation einflottet.

Die D-AINK trägt den Namen

Die D-AINK trägt den Namen "Heidenheim an der Brenz". © Lufthansa Group

Lufthansa hat bei Airbus weitere vier Maschinen der A320-Familie mit alten Triebwerken bestellt. Das geht aus der jetzt veröffentlichten "Orders & Deliveries"-Liste des europäischen Flugzeugbauers hervor.

Demnach stehen aktuell noch neun A320ceo sowie ein A321ceo zur Auslieferung an. Die Abkürzung "ceo" steht für "Current Engine Option" - im Gegensatz zu "neo", was für "New Engine Option" steht.

Bis Ende August hat Lufthansa von 67 bestellten A320neo nur 13 Maschinen in Empfang nehmen können. Eigentlich sollten es bis heute schon rund die doppelte Anzahl sein.

Bereits im Mai war bekannt geworden, dass Lufthansa entgegen der ursprünglichen Planungen doch noch einmal Flugzeuge mit herkömmlichen Antrieben bestellt. Damals hatte Lufthansa kurzfristig sechs "Ceo"-Flugzeuge nachgeordert. In der Folge längerer Lieferzeiten bei den "Neo"-Maschinen musste der Konzern damals sogar seine Wachstumspläne zurückschrauben.

Insgesamt hatte die Lufthansa Group 122 Jets mit der "New Engine Option" bestellt, davon 45 A321neo. Zehn A320neo und fünf A321neo sind nach Airbus-Angaben für Swiss vorgesehen, der Rest für Lufthansa. Von den Airbus A321neo ist noch kein einziges Flugzeug ausgeliefert worden. Auch Swiss hat noch keine "Neos" in der Flotte.

Mangelnde Zuverlässigkeit und Ersatzteilprobleme

Problematisch sind beim A320neo für Erstkundin Lufthansa nicht nur die Verzögerungen bei der Auslieferung, sondern auch die Zuverlässigkeit der neuen "Pratt & Whitney"-Triebwerke. Die ausgelieferten Jets konnten daher nicht wie geplant eingesetzt werden.

Pratt & Whitney hat den Angaben nach zwar einzelne Komponenten des Getriebefans verbessert, dennoch gilt die erste Version weiter als defektanfällig und wartungsintensiv, berichtete Bloomberg Ende August. Gleichzeitig war bekannt geworden, dass neben der generellen Zuverlässigkeit der A320neo-Triebwerke auch die Ersatzteilsituation problematisch sein soll.

© Lufthansa, Lesen Sie auch: A320neo-Triebwerke stellen Lufthansa weiter vor Herausforderungen

Einem internen Schreiben von Lufthansa-Chef Carsten Spohr zufolge schaffen die A320neo-Flugzeuge in der Folge nur etwa die Hälfte der geplanten Flugstunden. Frühestens im November werde Lufthansa mangelfreie Triebwerke vom Hersteller bekommen.

Lufthansa hatte von Anfang an Probleme mit den Neo-Jets. Schon die für Ende 2015 vorgesehene Erstauslieferung musste wegen Triebwerksproblemen verschoben werden. Die Probleme bei der A320neo spitzten sich Anfang des Jahres zu, als bei neu ausgelieferten Jets Ausfälle bei Triebwerken im Flug aufgetreten waren. Lufthansa-Maschinen waren nicht davon betroffen, hatten aber mit anderen technischen Problemen zu kämpfen.

Aktuell rund 30 Neo-Jets pro Monat

Im Zuge der "Neo"-Probleme hinkt Airbus weit hinter den ursprünglichen Auslieferungsplanungen hinterher: Bis Ende August wurden nach Unternehmensangaben 434 Neo-Jets ausgeliefert, das ist seit der ersten Auslieferung im Januar 2016 eine Rate von rund einem Dutzend pro Monat.

Ursprünglich wollte Airbus 50 der verbrauchsarmen Jets monatlich produzieren. Zuletzt konnte der Konzern die Rate allerdings deutlich erhöhen. Zwischen März und August wurden knapp 150 Flugzeuge ausgeliefert, also 30 pro Monat. Ab Mitte 2019 soll die Monatsproduktion auf mindestens 60 verdoppelt werden.

© AirTeamImages.com, Steve Flint Lesen Sie auch: Mit diesen Problemen kämpft Airbus' "Kassenschlager" Hintergrund

Airbus wird angetrieben von einer großen Nachfrage nach den sparsamen neuen Mittelstrecken-Jets: Mit Stand von Ende August verzeichnetet der Konzern 4101 Bestellungen für die A320neo und 1895 für die A321neo. Hinzu kommen 58 Bestellungen für die kleinere A319neo. Neben der neuen Triebwerksoption PW1100G von Pratt & Whitney gibt es für die "Neo"-Generation der A320-Familie auch die Option für eine Ausstattung mit Motoren vom Typ LEAP-1A von CFM International.

Von: dh
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