Kenya Airways erwägt Abbestellung

787-Erstauslieferung erneut verschoben

27.08.2010 - 11:28 0 Kommentare

Boeing hat die Erstauslieferung der 787 offiziell auf das erste Quartal 2011 verschoben. Bereits im Juli hatte der Hersteller Probleme mit dem Zeitplan eingeräumt. Angesichts der erneuten Verzögerung im Dreamliner-Programm denkt Kenya Airways nun über eine Stornierung ihres 787-Auftrags nach.

Boeing 787 bei der Farnborough Air Show 2010 - © © dpa - Andy Rain

Boeing 787 bei der Farnborough Air Show 2010 © dpa /Andy Rain

Der US-Luftfahrtkonzern Boeing hat die Erstauslieferung seines neuen Langstreckenflugzeugs 787 „Dreamliner“ erneut verschieben müssen. Der Erstkunde All Nippon Airways (ANA) wird die Maschine nicht mehr in diesem Jahr erhalten, sondern erst Mitte des ersten Quartals 2011.

Grund sei ein Problem mit einem Triebwerk, das für die letzten Flugtests im Herbst benötigt werde; es sei nicht wie vereinbart verfügbar. Boeing arbeite gemeinsam mit dem Zulieferer Rolls-Royce an dem Problem.

Ein Triebwerkstest im Rolls-Royce-Werk im britischen Derby war Anfang August jedoch fehlgeschlagen und das Trent-1000-Triebwerk schwer beschädigt worden. Rolls-Royce hatte erklärt, der Fehler sei gefunden und werde behoben, ehe die erste Ladung zu Boeings Montagewerk bei Seattle verschifft wird. Auf den Zeitplan werde sich dies nicht auswirken, hatte es bislang geheißen.

Ganz unerwartet kommt die erneute Verzögerung im Dreamliner-Programm indes nicht. Bereits im Juli hatte der US-Konzern zwar noch an der geplanten Auslieferung der ersten Maschine an den Startkunden ANA Ende 2010 festgehalten, zugleich jedoch vor zunehmendem Druck auf den Zeitplan gewarnt. Deshalb bestehe ein Risiko, dass die Auslieferung der ersten Maschine erst Anfang 2011 stattfinden könnte, hatte es geheißen; nun erfolgte die offizielle Bestätigung der Verzögerung.

ANA plant ersten kommerziellen 787-Flug für März

Die Fluggesellschaft ANA nannte die erneute Verzögerung "bedauerlich". Sie vertraue jedoch darauf, dass die Zeit genutzt werde, um das bestmögliche Flugzeug zu liefern.

Etwa einen Monat nach der Auslieferung soll die Maschine für ihren ersten kommerziellen Flug eingesetzt werden. "Angenommen, dass das Flugzeug im Februar ankommt, werden wir den ersten kommerziellen Flug damit im März durchführen", zitiert das Branchenmagazin "Flight International" eine Sprecherin der japanischen Airline. Dabei solle es sich um einen Inlandsflug handeln, damit sich die Piloten an den neuen Flugzeugtyp gewöhnen könnten. Auf internationalen Verbindungen will ANA die 787 zwei bis drei Monate später, also etwa ab Mai oder Juni, einsetzen.

Der Dreamliner liegt schon fast drei Jahre hinter seinem ursprünglichen Zeitplan zurück. ANA sollte den ersten Dreamliner ursprünglich im Jahr 2008 bekommen.

Die Verzögerungen haben Boeing bereits Vertragsstrafen in Milliardenhöhe eingebracht. So forderte Air India kürzlich umfangreiche Kompensationszahlungen. Dennoch halten die meisten Kunden dem Konzern weiterhin die Treue. Derzeit liegen mehr als 850 Bestellungen für die Boeing 787 von 56 Kunden aus aller Welt vor.

Kenya Airways erwägt Abbestellung

Kenya Airways denkt jedoch angesichts der erneuten Verzögerung im Dreamliner-Programm über eine Abbestellung ihrer 787-Maschinen nach. Dies berichtet die „Air Transport World“ unter Berufung auf Airline-Chef Titus Naikuni. Zwar werde die verschobene Erstauslieferung sich nicht zwangsläufig auch auf die Auslieferungen an Kenya Airways auswirken, die „gegen 2013“ beginnen sollen. Allerdings könne der Lieferzeitplan nach Ansicht von Kenya Airways erst nach der Erstauslieferung an ANA bestätigt werden.

Dem Bericht zufolge führt der Carrier bereits Gespräche mit Airbus über die Bestellung von A330-Maschinen als Ersatz für die 787. Dies wäre der erste Auftrag für Airbus von Kenya Airways. „Wir betreiben vorwiegend Boeing-Maschinen, aber es ist möglich, auf Airbus umzusteigen“, zitiert die „Air Transport World“ Naikuni. Eine Entscheidung über die mögliche Stornierung des Dreamliner-Auftrags soll noch in diesem Jahr fallen.

Kenya Airways hat derzeit eine Bestellung über neun Dreamliner bei Boeing offen. Im Jahr 2006 bestellte die Airline sechs Boeing 787 und vereinbarte Optionen für sechs weitere Maschinen. Damals war die Lieferung der ersten beiden Maschinen für September 2010 vorgesehen. Später wandelte Kenya Airways drei der Optionen in Festaufträge um.

Die Airline betreibt derzeit insgesamt 29 Flugzeuge der Typen Boeing 737, 767 und 777 sowie ERJ-170.

Von: airliners.de, dpa, ddp
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