Schiene, Straße, Luft (13) ( Gastautor werden )

Die Krux mit dem Gepäck: 63 Liter für die Kabine

02.02.2018 - 08:00 0 Kommentare

Mit dem Gepäck ist es beim Fliegen eine Sache: Gefühlt jede Airline hat eigene Bestimmungen. Verblüffend einfach sind aber die Regeln in den Zügen, meint Verkehrsexperte Thomas Rietig.

Koffer stehen am Flughafen bereit - © © dpa - Hannibal Hanschke

Koffer stehen am Flughafen bereit © dpa /Hannibal Hanschke

Kennen Sie Gepäckmonster? Im Zug wie beim Flug sind es gekonnt hilflos dreinschauende Menschen, die mit ein bis zwei gewaltigen Rollkoffern wortlos zu flehen scheinen: "Können Sie mir das mal in die Gepäckablage heben?" Gemeint ist das Handgepäck. Findet sich kein Barmherziger, bleibt das Gepäck im Gang des Zuges stehen. Im Flieger starten in der Economy Class oft abenteuerliche Umräumaktionen kurz vor dem Abheben.

Über die Gründe der Gepäckmanie ist schon viel geschrieben worden - es nervt trotzdem, weil oft unförmige Dinge verstaut werden müssen und manchmal die Gefahr des Runterfallens gar nicht so klein ist. Man wünscht diesen Leuten mal eine Andenpassage in einem kolumbianischen Bus oder im Zug eines Entwicklungslandes.

Die nervenden Monster verstoßen egoistisch gegen die Regeln, auch wenn sie noch so treu blicken. Denn: "Sie müssen in der Lage sein, Ihre Taschen ohne fremde Hilfe in die Gepäckaufbewahrungsfächer zu heben", lautet die Regel, die noch vor allen Gewichts- und Maßangaben in den Beförderungsbedingungen der Transportunternehmen steht - ob sie nun durch die Luft fliegen oder auf Schiene oder Gummireifen rollen.

Die Krux mit dem Gewicht

Das war es auch schon mit der Einheitlichkeit der Bestimmungen. Meist steht vor dem Einchecken ein Rohrgestell, in das der Fluggast sein Handgepäck stecken kann, um zu kontrollieren, ob es den jeweiligen Vorschriften entspricht. Diese Vorschriften sind nicht nur von Airline zu Airline durchaus unterschiedlich.

Tatsächlich nehmen sie in ihrer Vielfalt auch monströse Züge an. Sie variieren auch innerhalb derselben Fluggesellschaft: "Diese Mengen können je nach Flugstrecke, Buchungs- und Reiseklasse, Tarif, Miles & More Teilnehmerstatus und so weiter unterschiedlich sein", schreibt Lufthansa. Was sie wohl mit "und so weiter" meinen?

Vielfach ist auch noch das Gewicht beschränkt: mal sieben (Cathay) - mal acht Kilo (Lufthansa, El Al). Haben Sie schon mal Ihr Handgepäck auf die Waage stellen müssen? Bei einem Laptop, einem Tablet, einer Kamera, ein paar Wechselobjektiven, zwei Büchern und einem Kulturbeutel sind die Grenzen schnell erreicht.

Auf die Größe kommt es an

In Läden stehen gleich neben den Koffersortiments Schilder, auf denen - nach Airlines geordnet - die jeweiligen Grenzmaße angegeben sind - wenn Sie Glück haben. Deshalb sollten Sie sich vor dem Kauf bei der Airline, die Sie als nächste nutzen, die Bestimmungen anschauen.

Meist geht es beispielsweise bei Fernflügen um zwei Maße: Fürs Handgepäck gibt United neun mal 14 mal 22 inches (umgerechnet 22 mal 35 mal 56 Zentimeter) an, Lufthansa 55 mal 40 mal 23 Zentimeter. Das "persönliche Gepäckstück" sollte etwas kleiner sein: neun mal zehn mal 17 inches (22 mal 25 mal 43 Zentimeter) bei United, bei Lufthansa sind es zehn mal 30 mal 40 Zentimeter - also deutlich schmaler.

Die Airlines haben noch eine kleine Schikane eingebaut: Wenn Sie zum Beispiel bei Lufthansa den Flug LH 9542 von München nach Johannesburg gebucht haben, steigen Sie mit dem Ticket in eine Maschine der South African Airways. Und schon gelten für Sie die SAA-Handgepäckbestimmungen (56 mal 36 mal 23 Zentimeter plus "eine kleine Handtasche oder ein kleiner Laptop"). Ist nicht so wild, es ähnelt denen der Lufthansa.

British Airways bietet 63 Liter

Wer richtig viel mitnehmen will, fliegt am besten mit British Airways. Was die erlauben, ist unschlagbar. Zwar erlauben auch Iberia und Thai das maximale Iata-Volumen: 56 mal 45 mal 25 Zentimeter. Maximale Summe der äußeren Maße also 126 Zentimeter. Wie imposant das ist, merkt man erst, wenn man es umrechnet: 63 Liter.

Thai und Iberia allerdings schränken die Längensumme ein. Das heißt, wenn eine Seite die volle erlaubte Länge hat, müssen die anderen so kurz sein, dass die Gesamtlänge 115 Zentimeter nicht übersteigt. Und Thai erlaubt nur sieben Kilo. Bei Iberia gibt es für das Handgepäck nur die eingangs erwähnte Gewichtseinschränkung: Sie müssen es selbst in die Ablage heben können. Aber jetzt British Airways: Beide Gepäckstücke dürfen je 23 Kilo wiegen.

Auch bei der Bahn gibt es Gepäckregeln

Da loben wir uns doch die mangelnde Vielfalt der Gepäckbestimmungen im Zug. In der Tat sind solche Bestimmungen vorhanden. Die Deutsche Bahn hat damit eine Handhabe für den Fall exzessiver Missachtung. Wer freitag- oder sonntagnachmittags in der zweiten Klasse eines ICE sitzt, erfährt im wahrsten Sinn des Wortes, dass sie nicht kontrolliert.

Mit ihrem Hauptgrundsatz aber übertrumpft sie schon einmal so manches Luftfahrtunternehmen: "Gepäck kann kostenlos mitgenommen werden." Vorausgesetzt, es handelt sich um "Gegenstände, die von einer Person allein getragen werden können". Und es geht nur um ein Stück.

Eine Größenbegrenzung gibt es offiziell nicht, aber eine Bemerkung zum "Gepäckregal" - bei deren Dimensionierung seien folgende Standardgrößen unterstellt worden: "700 mal 500 mal 300 Millimeter". Das sind 105 Liter. Das muss ich unbedingt bei der nächsten ICE-Fahrt nachmessen! Oder im Regionalexpress, mit dem ich samt Gepäck zum ICE-Bahnhof fahre …

Über den Autor

In seiner Mobilitätskolumne "Schiene-Straße-Luft" vergleicht und kommentiert Verkehrsjournalist Thomas Rietig auf airliners.de die Luftverkehrswirtschaft mit anderen Verkehrsträgern

Thomas Rietig Thomas Rietig ist freier Journalist und Blogger in Berlin. Einer seiner Schwerpunkte ist die Verkehrspolitik mit jahrzehntelanger Erfahrung als Nachrichtenjournalist bei der Associated Press. Er bloggt unter schienestrasseluft.de journalistisch und unter etwashausen.de satirisch. Kontakt: thomas.rietig@rsv-presse.de

Von: Thomas Rietig für airliners.de
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